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Flüchtlinge in Bad Hindelang:Ein Tourist fühlt sich belästigt - und beschwert sich

Doch es gibt auch Menschen, die nicht denken wie Maria Scholl. Den Bürgermeister hat eine E-Mail erreicht, in der sich ein Tourist über die Asylbewerber beschwert. Er und andere fühlten sich belästigt, eine derartige Unterkunft passe nicht zu einem Urlaubsort, heißt es darin. Sie störe. Bürgermeister Martin hat "absolut kein Verständnis" für das Schreiben: "Auf so etwas reagieren wir gar nicht erst."

Einen Grund, nicht mehr ins Oberallgäu zu fahren, sehen die Urlauber am Busbahnhof derzeit nicht. "Da müsste mich schon einer überfallen, dass ich mir Sorgen machen würde", sagt etwa Jürgen Priem aus Frankfurt. Es scheint also die Meinung eines Einzelnen zu sein - doch viele fürchten, dass sie die allgemeine Stimmung beeinflussen könnte.

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Als überlegt wurde, die Flüchtlinge in einem ehemaligen Hotel in der Ortsmitte einzuquartieren, gab es auch von Einheimischen Bedenken - wegen der Touristen. Wer weiß, ob die noch anreisen, so die Befürchtung. Und: Manche Dorfbewohner äußern ihre Meinung nur im Privaten. "Was an den Stammtischen geredet wird, will ich gar nicht wissen", räumt der Bürgermeister ein. Eine Hindelangerin, die nicht namentlich zitiert werden will, sagt: "Ich hätte Angst um meine Kinder, wenn ich direkt nebenan wohnen würde."

Einige im Dorf befürchten: Es könnten zu viele Asylbewerber werden. Derlei Einwände finden die Helfer lächerlich. "Im Zweiten Weltkrieg gab es im Gemeindegebiet 2000 Flüchtlinge, also fast einen neuen Ortsteil", sagt Reimund. "Da muss doch jetzt das bisschen Hilfe für 20 Menschen leistbar sein."

Nicht arbeiten zu dürfen, ist für Weldeab schwer auszuhalten

Die Zweifel im Dorf werden auch durch eine gesetzliche Regelung befeuert. Weil Asylbewerber erst nach neun Monaten eine Arbeitserlaubnis bekommen, fragen sich viele: Was machen die nur den ganzen Tag?

Für Weldeab, Liman und die anderen ist die eigene Tatenlosigkeit schwer auszuhalten. "Man sitzt auf dem Bett und grübelt. Ich bin das nicht gewohnt", sagt Weldeab. In Eritrea arbeitete er im Handel. Doch wegen seines Glaubens fühlte der Protestant sich bedroht. Bestimmte christliche Gruppen werden in der Militärdiktatur verfolgt, immer wieder berichten Hilfswerke von grundlosen Festnahmen.

Weldeab zeigt Fotos von seiner Frau, die er zurücklassen musste, von seinen zwei Söhnen, fünf und acht Jahre alt. "Hier in Deutschland ist es besser. Aber es ist hart, so zu leben. Wir haben viel zu wenig Platz." Die 20 Männer teilen sich eine Dusche. Morgens müssen sie anstehen. "Ich bin ein erwachsener Mann, ich will mich nicht vor allen anderen umziehen", sagt Weldeab. "Da gibt es oft Streit." Die Männer sprechen verschiedene Sprachen, auch untereinander ist die Verständigung schwer. Gerne würden sie selbst kochen. Obwohl seit 1. April 2014 die umstrittenen Essenspakete in Schwaben abgeschafft sind, werden die Männer von einer Großküche versorgt. Der Kühlschrank funktioniert nicht, ein Herd darf nicht aufgestellt werden, aus Brandschutzgründen.

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"Fast muss man die Euphorie bremsen"

Bürgermeister Martin betont, dass es sich bei der Schule um eine Übergangslösung handele. Die Arbeitsregelung müsse man überdenken, findet auch er. Derzeit werde in der Gemeinde über Ein-Euro-Jobs für die Asylbewerber gesprochen. Ob er sich von der Landesregierung im Stich gelassen fühlt? "Der Staat hat klare Grenzen", sagt er.

Dass die Flüchtlinge in Bad Hindelang so umsorgt werden, wäre ohne die Einheimischen nicht möglich. "Fast muss man die Euphorie ein bisschen bremsen, damit die Hilfe nicht nachlässt. Schließlich werden in den nächsten Monaten bestimmt wieder Flüchtlinge zu uns kommen", sagt der Helfer Pargent.

Wie es mit den 20 Männern weitergeht, ist bislang unklar. Nur etwa 27 Prozent der Asylanträge, über die zwischen Januar und Juli 2014 entschieden wurde, sind laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge befürwortet worden - die meisten Menschen werden abgeschoben. Für Eritrea liegt die derzeitige Anerkennungsquote bei etwa 45, für Somalia bei 21 Prozent. Je nach Herkunftsland müssen die Flüchtlinge lange auf eine Entscheidung warten, meist mehr als zwölf Monate.

Von Anfeindungen merken die Flüchtlinge selbst nichts, sagen sie. "Alle sind nett zu uns", findet Ahmed Liman, Weldeab nickt. "Dankeschön" ist das Wort, das sie alle problemlos beherrschen.

© SZ.de/bica/jobr
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