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Asylbewerber demonstrieren:Übernachten auf Campingplätzen

Und diese blicken nun auf einen Zug von Flüchtlingen, die angekündigt haben, bewusst illegal handeln zu wollen mit ihrem Marsch. Früher, sagt ein Passant, hätte in so einer Situation wohl ein Polizeikessel gedroht in Bayern: "Angekündigter und vollzogener Verstoß gegen Law and Order", sagt der Passant - der aber Sympathie signalisiert für das, was die Polizei in Würzburg tatsächlich tut an diesem Tag: nichts.

Der Demonstrationszug ist angemeldet vom Zentrum bis zu einem Großsupermarkt am Rand der Innenstadt, bis dahin dürfen die Teilnehmer Fahnen schwenken und Protestplakate vorzeigen. Drei kleinere Polizeiautos begleiten sie dabei. Alles verläuft beinahe rührend harmonisch. Am Supermarkt rollen die Wanderer die Plakate ein.

Dann ziehen etwa 50 weiter zu Fuß in Richtung Schweinfurt. Alles in Ordnung, sagt der Einsatzleiter, die Polizei erkenne nach Beendigung des Demonstrationszuges nur "eine Art wolkenförmigen Spaziergang". Kein Grund also zum Eingreifen, heißt das. Eine Polizeisprecherin sagt, natürlich sei man ans Legalitätsprinzip gebunden, vorläufig aber habe man nur "zwei Verstöße gegen die räumliche Beschränkung" feststellen können. Von Zugteilnehmern, gegen die bereits wegen solcher Verstöße ermittelt worden sei. Man habe die Personen aber weiterlaufen lassen. Und nein, einen Anlass zur Personenkontrolle habe die Polizei nicht gesehen.

Man könnte auf die Idee kommen, sagt ein Demonstrant, der im Zug mitmarschiert, dass Bayerns Behörden entweder "selbst nicht mehr so recht an den Sinn der Residenzpflicht" glaubten. Oder möglicherweise "gar nicht unglücklich" darüber seien, dass sich da Flüchtlinge gerade auf den Weg gemacht haben nach Berlin. Also: hinaus aus dem Freistaat. Immerhin dauerten die Protestcamps in Bayerns Innenstädten schon seit Monaten an. Und der Aufwand für die Behörden war enorm.

Auf etwa 25 Stationen wollen die Flüchtlinge bis Berlin ziehen, der Weg soll sie unter anderem über Weimar, Leipzig und Potsdam führen. Übernachten wollen sie auf Campingplätzen, in Gemeindehäusern oder Jugendzentren, je nachdem, was angeboten wird.

Parallel zu dem Marsch startete am Samstag in Würzburg ein Protest-Bus, der auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Asylbewerber für die Fahrt nach Berlin aufsammeln soll. Wie viele in Berlin ankommen? Omid Moradian weiß das nicht, aber er weiß, dass er dabei sein wird. Wenn die Behörden ihn lassen.