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Wirtschaft:Fünf Tage arbeiten - oder lieber nur vier?

Honorarfreies

Betriebswirtin Lisa Blechschmidt, 30, leitet mit ihrer Mutter das Unternehmen Bella Gardinenkonfektion.

(Foto: privat)

In einer fränkischen Textilfirma können Mitarbeiter zwischen diesen zwei Optionen wählen. "Viele Frauen haben nie einen Moment für sich", hat Leiterin Lisa Blechschmidt festgestellt.

Lisa Blechschmidt ist Geschäftsführerin einer Textilfirma im oberfränkischen Goldkronach. Die Mitarbeiter in der Näherei können seit Anfang Februar wählen, ob sie ihre Wochenarbeitszeit ganz konventionell auf fünf Tage verteilen oder lieber ein langes Wochenende machen. Dann arbeiten sie montags bis donnerstags jeweils neuneinviertel Stunden.

SZ: Frau Blechschmidt, es ist Freitag und Sie sind im Büro. Warum gönnen Sie sich selbst kein langes Wochenende?

Lisa Blechschmidt: Das neue Arbeitszeitmodell ist ja für unsere Mitarbeiter gedacht. Die sind unser Kapital und die wollen wir so gut es geht unterstützen, damit wir dann vier Tage volle Leistung bekommen. Der Chef muss immer da sein.

Wie liefen die ersten Wochen mit den vier langen Arbeitstagen?

Die Erfahrungen sind sehr gut. Mehr als die Hälfte der Belegschaft macht mit und es wollen immer mehr teilnehmen. Man merkt, dass die Mitarbeiter motivierter sind. Gerade donnerstags geht es hier ab Mittag wirklich rund und am Abend geht jeder mit einem Lächeln an uns vorbei und wünscht ein schönes Wochenende.

Gibt es an so langen Arbeitstagen nicht nachmittags viele Durchhänger?

Nein. Einige Mitarbeiter sagen, dass man die Stunde gar nicht merkt, die sie dranhängen müssen. Bis jetzt hat noch keiner gesagt, dass es zu viel wird. Wir haben aber auch nachmittags eine kurze Kaffeepause zum Krafttanken.

Sie beschäftigen fast nur Frauen.

Ja, 70 von 72 Mitarbeitern sind Frauen. Das ist natürlich einer der Gründe für die Viertagewoche. Viele Frauen haben nie einen Moment für sich. Sie kommen heim und haben sofort wieder Trubel, müssen einkaufen gehen oder kochen. Die können sich am Freitag einfach mal ein, zwei Stunden für sich nehmen.

Kam der Wunsch nach diesem Modell aus der Belegschaft?

Nein, ich habe die Idee schon eine Weile mit mir herumgetragen. Am Anfang war natürlich jeder erst mal skeptisch. Neues ist ja grundsätzlich gefährlich. Ich habe immer wieder erklärt, dass niemand Angst haben muss, dass wir an den Geldbeutel rangehen. Im Gegenteil. Durch die vier Tage sparen sich die Mitarbeiterinnen ja Fahrzeit und Benzinkosten.

Und Sie sparen auch, weil Sie freitags in zwei von drei Abteilungen das Licht auslassen und die Heizung herunterdrehen können.

Wir können nach der kurzen Zeit noch nicht sagen, wie hoch die Einsparungen sein werden. Aber was wir einsparen, das wird als Lohnerhöhung weitergegeben. Wir wollen davon nichts haben. Das ist wirklich ein Projekt für die Belegschaft. Work-Life-Balance wird ja immer wichtiger. Und nur mit ausgeruhten Mitarbeitern kann man ein gesundes Unternehmen führen.

© SZ vom 15.04.2019
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