Antisemitismus-Studie Judenhass ist in Bayern Alltag

Mitglied der jüdischen Gemeinde trägt eine Kippa auf dem Kopf.

(Foto: Uli Deck/dpa)

In den vergangenen vier Jahren habe es in Bayern 700 antisemitische Straftaten gegeben, heißt es in einer neuen Studie. Viele Juden bekommen den Hass stetig zu spüren.

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich in Bayern durch alle Gesellschaftsschichten und Regionen zieht - und das sich zu verschärfen droht. Laut einer neuen Studie ist Judenhass hierzulande eine alltägliche Erfahrung für Juden. Sie begegnen Antisemitismus in Job und Schule, beim Sport und Einkaufen; sie werden angespuckt, bedroht, beschimpft, sehen sich mit Verschwörungstheorien konfrontiert; auf Pausenhöfen werden zutiefst beleidigende Begriffe als gängige Schimpfworte benutzt.

Die Studie der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) basiert auf einer Umfrage mit 20 jüdischen Akteuren. Zusätzlich wertete RIAS polizeiliche und zivilgesellschaftliche Statistiken aus. Der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU), sagte, die Studie sei der Beweis, "dass die Fratze des Antisemitismus lebt". Staat und Zivilgesellschaft müssten ein klares Zeichen setzen. "Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens."

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Bayernweit wurden von 2014 bis Ende Juni 2018 rund 700 antisemitische Straftaten gezählt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. 431 Fälle ereigneten sich in Kleinstädten und auf dem Land. Laut RIAS speist sich Antisemitismus in Großstädten vor allem aus dem Islam und dem Nahostkonflikt; in ländlichen Regionen sähen sich die Befragten durch Rechtsextreme bedroht.

Viele Opfer fühlten sich allein gelassen. Die Bereitschaft, Übergriffe anzuzeigen, scheint gering zu sein: Zu oft überwiegt der Eindruck, Ermittlungen würden ins Leere laufen. Künftig soll eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle niederschwellig Betroffenen helfen, etwa indem sie einen Kontakt zu Behörden und Psychologen herstellt. Die Meldestelle wird zunächst beim Bayerischen Jugendring angesiedelt. Das Sozialministerium sagte eine Förderung in Höhe von 380 000 Euro zu.