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Anti-Atom-Demonstrationen:Angst vor dem GAU

"Abschalten! Abschalten!": In Landshut und Würzburg gehen die Menschen am Wochenende gegen die Atomkraft auf die Straße. Unterdessen verlangt Bayerns Umweltminister Söder Milliarden für erneuerbare Energien.

Mehr als tausend Atomkraftgegner haben am Samstag vor dem Rathaus in Landshut für das endgültige Aus des Atommeilers Isar 1 protestiert. Die Teilnehmer schwenkten Fahnen mit dem Symbol für den Atomenergieausstieg und riefen "Abschalten". Nach tagelangem Hin und Her ist Isar1 seit Donnerstag vom Netz. In Unterfranken starteten die Freien Wähler eine Unterschriftenaktion gegen das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Umweltminister Markus Söder (CSU) forderte vom Bund ein Milliardenprogramm für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Demonstration gegen Atomkraft in Landshut

"Abschalten, abschalten!": Etwa 1500 Menschen forderten auf einer Demonstration in Landshut das endgültige Aus für Isar 1.

(Foto: dapd)

In Landshut kamen außer Anwohnern auch Demonstranten aus Regensburg, Straubing, Kehlheim und anderen Orten zu der Kundgebung. Die Veranstalter vom "Bündnis für den Atomausstieg" zählten rund 1500 Teilnehmer. Nach einer Schweigeminute für die Opfer in Japan warnten die Redner vor Gesundheitsgefahren durch Atomkraftwerke und forderten neben dem dauerhaften Aus für Isar 1 den schnellen Ausstieg aus der Atomenergie.

In Würzburg trugen sich binnen zwei Stunden 500 Menschen in Unterschriftslisten gegen das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld ein. "Zwei Drittel waren ältere Menschen", sagt der FW-Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn. "Das hat uns überrascht." Die Freien Wähler fordern, dass Grafenrheinfeld 2014 vom Netz gehen soll, wie das im alten rot-grünen Ausstiegsszenario vorgesehen war. "Die meisten Menschen waren dafür, die Anlage sofort abzuschalten", sagte Fahn. "Die Menschen haben Angst vor einem Flugzeugabsturz." Die Aktion geht bis Ende April.

Umweltminister Söder verlangt in einem Konzeptpapier ein sechs Milliarden Euro starkes Programm für ein "neues nationales Energiekonzept". Ein Drittel der Summe soll demnach in die Forschung und Entwicklung von Speichertechnologien fließen, eine weitere Milliarde in den Ausbau regionaler Verteilnetze. Zwei Milliarden sollten in die Förderung der Elektromobilität gesteckt werden. Eine Milliarde sei für den beschleunigten Bau von Stromtrassen nötig, um Offshore-Windstrom von der Küste zu den Ballungszentren zu bringen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Ludwig Wörner übte Kritik. "Wenn Söder es ernst meint mit der Atomwende, muss er in Bayern seine Hausaufgaben machen", sagte Wörner. Ab 2012 streiche Bayern die Mittel für erneuerbare Energien zusammen. Der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Burkert verlangte die sofortige Überarbeitung der Katastrophenschutzpläne im Freistaat.

Am Atomkraftwerk Gundremmingen sieht man "keine Veranlassung", die Laufzeitverlängerung in Frage zu stellen. Beim Bau der Reaktoren sei eine mögliche Erdbebengefahr berücksichtigt worden, erklärte der technische Leiter des Kernkraftwerks, Helmut Bläsig. Außerdem sei auch im Falle eines Versagens aller Notstromsysteme die Wasserversorgung der Reaktoren sichergestellt. Bläsig betonte, Gundremmingen stehe der japanischen Atomanlage Fukushima für Hilfsleistungen zur Verfügung. Man habe bereits "eine Charge Jod-Tabletten nach Japan geliefert". Nach der Laufzeitverlängerung wird Gundremmingen erst 2030 abgeschaltet.