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Anschlag in Ansbach:Polizisten fordern schärfere Kontrollen bei der Einreise

Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) äußerte sich ähnlich. "Würzburg und auch Ansbach zeigen wohl, dass der islamistische Terror Deutschland erreicht hat", sagte er. Er teile Herrmanns Einschätzung. Der Rechtsstaat müsse sich darauf einstellen. Er plädierte für eine weitere Verstärkung der Sicherheitsbehörden. "Und im Internet und den sozialen Netzwerken müssen die Möglichkeiten von Fahndung und Gefahrenabwehr verbessert werden." Der vom Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof gesetzte Rahmen sei "angesichts der Bedrohungslage zu eng". Die beiden Gerichte sollten hier "ihre Wertungen überdenken", schrieb er. "Auch im Bereich der Regeln des Aufenthaltsrechts und bei der strafrechtlichen Verfolgung besteht Ergänzungsbedarf."

Aus der Deutschen Polizeigewerkschaft kam der Ruf nach einer besseren Kontrolle der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. Vorsitzender Rainer Wendt sagte dem Radiosender HR-Info: "Weder ist die Identität aller Menschen geklärt, die zu uns gekommen sind, noch ihr geistiger und körperlicher Zustand."

In Anspielung auch auf die Messerattacke in Reutlingen fügte er hinzu: "Wir erleben ja in diesen Tagen, dass sich psychische Labilität, Terrorismus, Kriminalität miteinander vermischen". Umso wichtiger sei es, "sich diese Menschen ganz genau anzuschauen, ob von ihnen eine mögliche Gefahr ausgeht". In Reutlingen hat ein 21-jähriger Asylbewerber aus Syrien am Sonntag eine Frau mit einem Hackmesser getötet.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich "erschüttert" über die Gewalttaten von Reutlingen und Ansbach gezeigt. "Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers und den Verletzten", erklärte de Maizière am Montag in Berlin. "Die Ermittlungen laufen mit Hochdruck und ich hoffe, wir erhalten bald Gewissheit über die Motivation der Täter."

Ähnlich äußerte sich Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Die Bundesregierung sei "erschüttert" über die Gewalttaten am Wochenende. Die Regierung trauere mit den Angehörigen der getöteten Frau in Reutlingen. Die Gedanken seien auch bei den Verletzten der Attacken in Reutlingen und Ansbach. "In Reutlingen liegt kein Staatsschutzdelikt vor, zu Ansbach dauern die Ermittlungen an", sagte Demmer.

Die katholische Kirche reagierte auf die Explosion in Ansbach mit Betroffenheit. Der Erzbischof der Diözese Bamberg, Ludwig Schick, auf deren Gebiet die mittelfränkische Stadt liegt, schrieb: "Wir teilen Leid, Ängste und Sorgen der Menschen." Schick schrieb weiter: Er bete für die Verletzten und um Frieden und Sicherheit.

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte dem Evangelischen Pressedienst, man müsse die aufflammenden Ängste der Menschen ernst nehmen, aber auch jede Panik und Hysterie vermeiden. Wichtig sei es jetzt, dass die Einheimischen mit den Geflüchteten weiter im Gespräch bleiben. "Ich glaube, es täte auch gut, wenn die in Ansbach lebenden Flüchtlinge sich ganz klar distanzieren und sagen: Nein, das ist nicht in unserem Namen passiert."

© SZ.de/mmm/tba/bbr/ebri
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