Anschlag in Ansbach Erster Selbstmordanschlag in Deutschland - Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

  • Das Attentat von Ansbach hat laut Bayerns Innenminister Herrmann sehr wahrscheinlich einen islamistischen Hintergrund. Die Polizei habe auf seinem Handy ein entsprechendes Bekennervideo gefunden.
  • Wie die SZ erfuhr, übernahm die Bundeswaltschaft die Ermittlungen in dem Fall.
  • Der Täter war vor etwa zwei Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, sein Asylantrag wurde abgelehnt.
  • Der 27-jährige Mann aus Syrien zündete am Sonntagabend in der Ansbacher Innenstadt einen Sprengkörper und tötete sich dabei selbst. 15 Menschen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

Der Anschlag von Ansbach hat mutmaßlich einen terroristischen Hintergrund. Auf einem Handy des Attentäters habe die Polizei ein Bekennervideo gefunden, teilt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit. Die Bundesanwaltschaft hat den Fall am Nachmittag an sich gezogen. Die Karlsruher Behörde ist zuständig für Terrorverdachtsfälle in Deutschland.

In dem Video soll der Attentäter einen Racheakt gegen Deutsche ankündigen, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes hieß es laut Herrmann, der Täter handle im Namen Allahs. Er habe im Video Bezug auf den selbsternannten Kalifen der Terrormiliz IS genommen, Abu Bakr al-Bagdadi.

Die Terrororganisation Islamischer Staat will das Attentat von Ansbach für sich beanspruchen und hat im Internet verkündet, dass der Täter ein "Soldat des IS" sei. In der Nacht zum Dienstag veröffentlichte der Propaganda-Kanal des IS, Amaq, sowohl ein Foto als auch ein Video. Es soll den mutmaßlichen Angreifer zeigen.

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Beim Täter handelt es sich um einen 27-jährigen Syrer, Mohammad D. Er lebte geduldet in Deutschland. Er war nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière bereits vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Im August 2014 habe er einen Asylantrag gestellt. Im Verfahren seien Registrierungen in anderen EU-Staaten festgestellt worden: Es habe einen Antrag in Bulgarien gegeben und später in Österreich. Bulgarien habe mitgeteilt, dass der Mann dort Schutz zuerkannt bekommen habe. Nach Angaben des bayerischen Innenministers Herrmann hatte er kurz vor seiner Tat eine Abschiebeanordnung erhalten. Ob diese Anordnung die Attentatsabsicht beschleunigt habe, sei im Moment aber Spekulation, sagte Herrmann am Montag in der ARD.

Der Täter hat am späten Sonntagabend in Ansbach einen Sprengkörper gezündet und sich dabei selbst getötet. 15 Menschen wurden bei der Explosion verletzt, vier von ihnen schwer. In Lebensgefahr schwebt niemand. Bundesinnenminister de Maizière wollte am Montagnachmittag weder einen Bezug zum internationalen IS-Terrorismus noch eine psychische Störung des Täters ausschließen. Es könne auch eine Kombination aus beiden sein, sagte er.

In der Unterkunft des Täters seien zwei Handys mit mehreren weiteren Sim-Karten sowie ein Laptop gefunden worden, sagte der bayerische Innenminister Herrmann. Eine erste Auswertung habe Hinweise darauf gegeben, dass islamistische Gewaltvideos dabei seien. Bei der Durchsuchung der Asylunterkunft sei eine Fülle weiterer Materialien gefunden worden, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären, sagte Herrmann. Es handele sich um einen Benzinkanister mit Diesel sowie Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine.

Der Täter hatte nach Angaben der Polizei sechs Facebook-Accounts betrieben. Vier seien schon vom Netz genommen worden. Mindestens ein Account sei mit falschen Personalien betrieben worden. Auf Handys seien die Whatsapp-Verläufe gesichert worden. Diese müssten noch ausgewertet werden.

Sprengsatz besonders präpariert

Der Sprengsatz in Ansbach war offenbar besonders präpariert. Weit um den Tatort verstreut wurden Metallteile gefunden. Die Polizei richtete eine Sonderkommission mit mehr als 30 Beamten zur Untersuchung des Vorfalls ein. Sie rief Augenzeugen auf, Videos und Bilder der Tat an die Behörde zu schicken.

Die Explosion fand in der Nähe der Ansbach Open statt. Das ist ein Festivals bei dem am Sonntagabend die deutschen Sänger Joris, Philipp Dittberner und Gregor Meyle auftraten. Der Sprengsatz detonierte direkt vor dem Eingang zur Reitbahn, wo das Konzert stattfand.

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Offenbar hatte Mohammad D. versucht, auf das Gelände zu gelangen. Der Zutritt sei ihm jedoch verwehrt worden, weil er keine Eintrittskarte besaß. Die Sicherheitskräfte waren nach dem Amoklauf in München angewiesen gewesen, schärfere Kontrollen durchzuführen. Als sie die Taschen der Besucher durchsuchten, soll der Täter seinen Weg geändert haben und in Richtung einer gut besuchten Weinstube abgebogen sein. Vor dem Lokal detonierte dann gegen 22:15 Uhr der Sprengsatz.

Die Veranstaltung wurde abgebrochen. Die 2000 Besucher hätten den Ort ruhig und diszipliniert verlassen. Ein Hotel und die umliegenden Wohnhäuser wurden vorsorglich evakuiert. Innerhalb kurzer Zeit waren 200 Polizisten und mehr als 300 Rettungskräfte vor Ort.

Ansbach

(Foto: Google Earth)

"Bayern erlebt Tage des Schreckens", hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Vormittag mitgeteilt. Zum dritten Mal in einer Woche werde das Bundesland von einer "schweren Gewalttat" erschüttert. "In jeden Fall gilt: Der Rechtsstaat wird nicht weichen." Am Montag vor einer Woche hatte ein Angreifer in einem Zug nahe Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt schwer verletzt. Bei einem Amoklauf in München kamen am Freitag neun Menschen und der Täter ums Leben.