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Angeblicher Attentäter:Wenn ein Gerücht Karriere macht

Sitzung bayerisches Kabinett

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sitzt einer Falschmeldung über einen angeblichen Terroristen auf. Jetzt schäumt die Opposition.

(Foto: dpa)
  • Weil er sich zu einem brisanten Sachverhalt geäußert hat, steht Innenminister Herrmann jetzt in der Kritik.
  • Am Dienstagabend machte ein Gerücht die Runde, dass angeblich einer der Paris-Attentäter zuvor in Bayern als Flüchtling registriert worden war. Dies stellte sich später als falsch heraus.
  • Hintergrund der Verwirrung ist wohl eine zufällige Namensgleichheit.

Verwirrung ist ein häufig gebrauchtes Wort am Mittwoch in der bayerischen Politik. Sogar das Landratsamt München fühlt sich zu einer Klarstellung bemüßigt: "Paris-Attentäter war nicht in Feldkirchen bei München", lautet der Titel der Pressemitteilung. Und dass es sich um ein "großes Verwirrspiel" gehandelt habe, das am Dienstagabend in Gang gesetzt worden sei.

Im Mittelpunkt: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) - und die Frage, ob und wie sich ein Politiker zu brisanten Sachverhalten äußern sollte, wenn deren Klärung noch nicht abgeschlossen ist.

Dienstagabend in Berlin, sogenannter parlamentarischer Abend der Metropolregion München. Auf dem Podium sitzen unter anderem: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Herrmann. Eigentlich geht es um Verkehrsfragen. Dann läutet Herrmanns Telefon. Er kommt zurück mit der Nachricht, dass der FC Bayern 3:0 führe.

Und wenig später sagt er etwas, das nicht nur die 200 Gäste aufhorchen lässt, sondern ganz Nachrichten-Deutschland: Es spreche "im Moment sehr viel dafür", dass einer der Attentäter von Paris über Bayern eingereist sei. "Das ist kein Flüchtling, der zum Terrorist geworden ist, sondern ein Terrorist, der die Flüchtlingswelle missbraucht hat", sagt Herrmann.

Ausgangspunkt für diese Nachricht ist eine Geschichte der Welt . Die Zeitung hat in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, dass der mutmaßliche Attentäter vor Wochen in Feldkirchen registriert worden sei. Die Rede ist zunächst von Feldkirchen bei München, gemeint ist aber der Warteraum in Feldkirchen bei Straubing.

Indirekte Bestätigung durch den Innenminister

Wohl nicht die einzige Ungenauigkeit. Der Mann soll sich bei den Anschlägen von Paris vor dem Stade de France mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gejagt haben. Die Welt zeichnet seinen Weg durch halb Europa nach, doch bereits am Dienstagabend zieht sie den Bericht zurück.

Anscheinend handelte es sich um eine zufällige Namensgleichheit. Herrmann weiß nichts von dem Zurückrudern der Zeitung, als er in Berlin die Version der Geschichte indirekt bestätigt.

Nachrichtensendungen verbreiten Herrmanns Botschaft bis spät in den Abend. Der Innenminister habe dem Bayerischen Rundfunk bestätigt, dass sich einer der Terroristen, die sich in Paris in die Luft gesprengt hätten, als Flüchtling in Feldkirchen registriert habe, meldet etwa das Rundschau-Magazin. Und dass Herrmann davon ausgehe, dass der Mann mit einem gefälschten Pass eingereist sei. Die Nachricht schafft es sogar in die Tagesthemen.

Wenig später die Kehrtwende. Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums dementiert: "Es handelt sich nicht um den gestorbenen Attentäter." Das habe sich bei einer Überprüfung herausgestellt. Doch Herrmanns Worte sind schwer einzufangen. In manchen Zeitungen sind sie am nächsten Tag noch zu lesen.

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