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Anfrage der Linken:Land der Funklöcher

Vor allem in Altbayern gibt es Probleme mit der Abdeckung

Neue Zahlen belegen, wie schwierig das Telefonieren und Surfen mit dem Smartphone in vielen Ecken Bayerns immer noch ist: Laut einem Schreiben der Bundesregierung weisen im Freistaat 97 491 Rasterzellen ungenügenden Mobilfunkempfang auf - das entspricht 8,6 Prozent aller Rasterzellen im Freistaat. In diesen mehr oder minder stark ausgeprägten Funklöchern können weniger als 50 Prozent der Haushalte auf ein Mobilfunknetz in 3G- oder 4G-Qualität zugreifen. Die Zahlen stammen aus einer Antwort auf eine Anfrage der Münchner Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke von der Linken. Besonders in Altbayern ist demnach der Anteil an "weißen" und "grauen Flecken" hoch: In Oberbayern beträgt er 10,8, in Niederbayern zehn Prozent. An dritter Stelle folgt Schwaben mit 9,4 Prozent. Am geringsten ist die Quote in Mittelfranken mit vier Prozent. Gründe hierfür nennt der Bericht nicht, aber aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass die Topografie großen Einfluss auf die Netzabdeckung nimmt. Weil Erhebungen immer wieder Funkwellen blocken, ist die Versorgung gerade in den Alpen und in den Mittelgebirgen bisweilen schwer sicherzustellen. Auch die Karten zur Netzabdeckung können daher von den tatsächlichen Gegebenheiten abweichen. Wie viele Haushalte oder welche Gesamtfläche ohne Empfang sind, nennt das Schreiben nicht. Die Werte und Definitionen basieren auf dem Breitbandatlas des Bundes.

Das Thema Mobilfunkempfang ist längst zu einer Standortfrage für Kommunen geworden - in der Corona-Krise sogar noch mehr, schließlich greifen derzeit viele Menschen auf Home-Office und andere Formen des mobilen Arbeitens zurück. In der Vergangenheit indes kam der Mobilfunkausbau mancherorts nur schleppend voran. Für ihn sind in Deutschland in erster Linie die Mobilfunkbetreiber zuständig. Sie konzentrierten sich lange auf Ballungsräume, dort wohnen mehr potenzielle Kunden, entsprechend größere Gewinne warten. Auf dem Land dagegen lohnte sich das Aufstellen eines Masts oft nicht. Ein bayerisches und ein Bundesprogramm versuchen darum inzwischen, Gemeinden beim Eigenbau eines Masts finanziell zu unterstützen. Die Betreiber sollen sich dann auf den Masten einmieten. Die ersten Anfragen bayerischer Kommunen hierzu waren zwar durchaus vielversprechend. Doch Gohlke bemängelt, dass Staatsregierung und Bundesverkehrsministerium weitere Ideen fehlten, um das Problem zu lösen. Stattdessen werde es auf die Kommunen abgewälzt. "Die Folgen spüren alle, die auf dem Land leben oder im Zug telefonieren wollen", sagt Gohlke. "Selbst im ICE von München nach Berlin muss man hoffen, dass die Verbindung nicht abbricht." Zusätzlich kompliziert macht die Sache, dass mit 5G ein neuer Standard in den Startlöchern steht. Doch für seine flächendeckende Abdeckung wären wahrscheinlich deutlich mehr Sendeanlagen nötig als für 3G und 4G - und schon von denen gibt es ja offenbar zu wenige.

© SZ vom 13.06.2020
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