Süddeutsche Zeitung

Urteil:Haft- und Bewährungsstrafen nach Prügelattacken in Amberg

  • Im Prozess um die Prügelattacken in Amberg ist das Urteil gefallen.
  • Vier junge Männer aus Afghanistan und Iran haben Ende Dezember in Amberg wahllos Passanten verletzt.
  • Der Fall löste damals eine bundesweite Debatte über konsequentere Abschiebungen von ausländischen Straftätern aus.

Nach den Prügelattacken in Amberg muss einer der vier angeklagten Asylbewerber ins Gefängnis. Das Amtsgericht verurteilte einen 18 Jahre alten Iraner am Freitag zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Die übrigen drei Beschuldigten kamen mit Bewährungsstrafen zwischen sechs und 13 Monaten davon. Auch sie wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Den vier jungen Männer im Alter von 17 bis 20 Jahren wurden gut zwei Dutzend Einzelstraftaten vorgeworfen. Ende Dezember hatten sie in der oberpfälzischen Stadt wahllos 21 Menschen angegriffen, von denen 15 verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft legt den aus Afghanistan und Iran stammenden Angeklagten gefährliche Körperverletzung zur Last, drei von ihnen auch Beleidigung. Sie sind seit der Tat in Untersuchungshaft.

Die vier Männer gaben im Prozess an, vor der Tat Wodka, Bier und Whiskey getrunken zu haben. Drei von ihnen sollen auch andere Drogen konsumiert haben. Die Prügelattacken waren nach Erkenntnissen der Ermittler weder verabredet noch in der Form geplant gewesen. Amberg soll den Männern aus der Region als Treffpunkt gedient haben. Fast 100 Zeugen wurden vernommen und zahlreiche Videoaufnahmen ausgewertet, so dass sich der Tatablauf rekonstruieren ließ.

Mehrere Polizisten schilderten als Zeugen zum Prozessauftakt einen dramatischen und unübersichtlichen Einsatz an jenem Abend im Dezember. Mehrere Streifenwagen waren demnach unterwegs, um die Angreifer zu fassen. Die vier Männer verletzten 15 Personen körperlich, sie erlitten bei der Prügelattacke leichte bis mittelschwere Blessuren, überwiegend Hämatome. Am gravierendsten war ein Verdacht auf Gehirnerschütterung.

Ursprünglich waren 25 Verhandlungstage angesetzt, doch bereits zu Beginn des Verfahrens hatten sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Strafmaße geeinigt. Im Gegenzug dazu legten die Angeklagten ein Geständnis ab. Vor Gericht bedauerten sie die Tat. Unklar blieb in dem Prozess die Motivation der Asylbewerber. Einer sagte lediglich, er habe sich von einem Passanten böse angeschaut gefühlt.

Die 44 000-Einwohner-Stadt Amberg geriet nach der Tat deutschlandweit in den Fokus. Der Fall löste damals eine bundesweite Debatte über Kriminalität von Migranten und konsequentere Abschiebungen von ausländischen Straftätern aus. AfD-Landtagsabgeordnete rund um Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner fuhren nach Amberg, um nach den "Hetzjagden", wie sie es nannte, die Lage zu prüfen. Bundesinnenminister Horst Seehofer und der bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) forderten Konsequenzen für den Aufenthalt der Täter.

Das bayerische Ministerium musste allerdings einräumen, dass Abschiebungen der vier Angeklagten damals rechtlich unmöglich waren; etwa wegen Minderjährigkeit und fehlender Passpapiere. Die Asylanträge aller Beschuldigten sind inzwischen abgelehnt. Um das Verfahren ordnungsgemäß durchziehen zu können, war die Staatsanwaltschaft gegen eine Abschiebung. Nach dem Urteil müssen nun die Asyl-Behörden entscheiden.

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