In diesem Blick lauert Gefahr. Diese Frau hat das laszives Modell-Spielchen, wie es einem oft von Plakaten der Klumms dieser Welt entgegentropft, nicht nötig. Kate Moss, so wie der fotografierende Rockstar Bryan Adams sie sieht, ist eine selbstbestimmte Frau, die sich einen Teufel schert um das Bild, das sich andere von ihr machen.
In diesem Fall ist es ein Schwarz-Weiß-Bild, bis in jede Haarsträhne perfekt ausgeleuchtet, wie eine Star-Fotografie aus einer untergegangenen Hollywood-Epoche. Von 1. August an wird Kate gemeinsam mit anderen von Adams fotografierten Prominenten für eineinhalb Monate in der Oberpfalz hängen. Im Amberger Congress Centrum, dem ACC.

Im nächsten Jahr gibt es das ACC 30 Jahre – ein Mehrzweckbau in Sichtweite zur Stadtmauer. Man kann hier tagen und konferieren, Mitte August eine regionale Ausbildungs- und Job-Messe besuchen und einen Tag später die Herren von „Sixx Paxx“, die bauchbemuskelt das Publikum in sinnliche Ekstase tanzen wollen. Es gibt Harry-Potter-Musik bei Kerzenschein und „Tarzan – das Musical“.
Und von August an die Fotos eines internationalen Rock-Stars, der sich eine durchaus beeindruckende Zweitkarriere aufgebaut hat. 2021 waren Fotos von ihm in München zu sehen. Adams hat Titel von Magazinen wie Vogue fotografiert und für den Pirelli-Kalender 2022. Auch mehrere Fotobände hat er mittlerweile veröffentlicht. Die Ausstellung in Amberg heißt wie der letzte, im Steidl-Verlag erschienene: „#shotbyadams“.
Müsste sie sich ein Lieblingsfoto aussuchen, wäre es wohl Kate Moss, sagt die ACC-Geschäftsführerin Erika Sauerwein: „Man ist ja selber mit diesen Celebrities aufgewachsen, als man Teenager war.“ Manche mögen darüber lächeln, aber sie habe zu den Stars aufgesehen „und das bringt viele schöne Erinnerungen wieder hoch“. Erika Sauerwein ist eine junge Geschäftsführerin. 31 ist sie heute, mit 29 hat sie den Job übernommen. Bryan Adams wird die erste große Ausstellung, die sie vollständig in ihrer neuen Rolle verantwortet. Die letzte Ausstellung mit Originalgrafiken von Baselitz hat sie nur in den letzten Vorbereitungszügen begleitet.
Dann und wann erhascht man in Amberg einen Zipfel der weiten Welt der internationalen Kunst: Originalgrafiken von Hundertwasser, Chagall, Picasso, Georges Braque – im Zweijahresrhythmus, den nur Corona durcheinandergebracht hat, planen sie im ACC Ausstellungen, die auch Besucher von außerhalb in die Stadt bringen sollen. Wie groß der Einzugsradius für Interessierte ist. So 100 Kilometer schätzt Sauerwein.

Nach den Grafiken setzt Sauerwein in diesem Jahr mit der ersten Fotoausstellung einen eigenen Akzent. Praktisch, dass die Marketingabteilung schon seit ein paar Jahren Kontakt zum Leihgeber von Adams Fotos, der in Hamburg ansässigen Agentur Crossover hatte. Anke Degenhardt von der Agentur arbeitet seit 22 Jahren mit Bryan Adams zusammen. Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Matt Humphrey wird sie auch nach Amberg kommen, um den Aufbau der Ausstellung zu betreuen und bei der Eröffnung eine Rede zu halten. Degenhardt erreicht man telefonisch kurz nach der Landung in München. Sie ist viel unterwegs, auch für Adams. Eben war sie in Monheim am Rhein, um die Adams-Ausstellung „Wounded – The Legacy of War“ mit Fotos verwundeter Soldaten zu eröffnen. Mit Bildern aus der Reihe startete auch zum Nationalen Veteranentag eine Ausstellung im Deutschen Bundestag.
In Amberg sollen etwa 400 Quatratmeter Ausstellungsfläche mit 80 Werken bespielt werden. Amy Winehouse hat sich von Adams 2010 fotografieren lassen. Sie steht seitlich, blickt nicht in die Kamera. Ihre Aufmerksamkeit scheint absorbiert von etwas, was außerhalb des Rahmens liegt. 2011 starb sie. Pink rauchte 2006 für Adams oben ohne eine Zigarette. Subtil auch dieses Foto im Chargieren zwischen Pose und Enthüllung.

Zu sehen sind Porträts aus Adams Fotoband „Exposed“ und einige Werke aus dem neuen Buch. Interessant auch Werke aus der Reihe „In Colour“ hinter buntem Plexiglas. Erst im vergangenen Jahr aufgenommen wurden der Schauspieler Willem Dafoe und Vincent Furnier in seiner Lebensrolle als Alice Cooper: weißfusselige Fellboa zur schwarzen Lederjacke, verlaufendes Make-up und letzte Spuren von Lippenstift in diesem Gesicht, das mit wilder Würde das Alter trägt, das unaufhaltsam die Miene furcht. Sauerwein ist stolz, diese neuen Aufnahmen zeigen zu können: „So wie wir es dann in Amberg haben, gibt es das sonst nirgends“.
Die Frage aller Frage, die können sie in Amberg allerdings noch nicht beantworten. Kommt er vorbei? Am ersten Tag der Ausstellung spielt Bryan Adams ein Konzert in Tschechien. Da wird es also nichts. Eingeladen ist er auf jeden Fall, sagt Sauerwein. Man weiß ja nie. Am 3. August steht Adams laut Tourplan in Schwetzingen auf der Bühne. Aus Sicht eines Kanadiers ist Amberg eigentlich nebenan.
#shotbyadams, Freitag, 1. August bis Freitag, 19. September, Amberger Congress Zentrum, Amberg, Schießstätteweg 8

