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Altötting:Wallfahrt ins Festzelt

Start der größten Fußwallfahrt Deutschlands

Pilger auf dem Weg nach Altötting: Millionen Mensch machen sich Jahr für Jahr auf zu dem Wallfahrtsort - dieses Jahr müssen sie statt mit der Wallfahrtskirche mit einem Festzelt vorlieb nehmen.

(Foto: dpa)

Innen rieche es weder nach Rauch noch nach Bier - das versichert Mönch Georg Greimel. Weil die Kirche St. Anna saniert wird, müssen Altötting-Pilger auf ein Festzelt im Klostergarten ausweichen. Um es den Wallfahrern recht zu machen, ließen die Mönche sogar eine Lücke in die Klostermauer brechen.

Große Menschenmengen sind die Altöttinger gewöhnt. Die Stadt ist vorbereitet, die Kapuzinermönche in ihren Klöstern ebenso. Rund eine Million Menschen pilgern Jahr für Jahr nach Altötting, in diesen berühmten Wallfahrtsort mit seinen etwas weniger als 13 000 Einwohnern. Besonders viele Pilger kommen von Mai bis Oktober. In der Altöttinger Gnadenkapelle werden jeden Vormittag stündlich Messen gelesen. Größere Gruppen werden vor der Stadt von Kapuzinern empfangen, sie umrunden die Kapelle und ziehen weiter, Gottesdienst feiern sie in der eigens für Wallfahrer errichteten Kirche St. Anna. Das heißt: So war es in den vergangenen 100 Jahren. Denn in diesem Jahr ist die Wallfahrtskirche geschlossen.

Seit November 2012 wird der Innenraum der Kirche saniert und umgebaut. Als Ersatz haben die Kapuziner ein großes weißes Zelt in den Garten des Klosters St. Konrad gestellt: ein Festzelt, "geweiht durch die Gegenwart Gottes", sagt Georg Greimel, Wallfahrtsseelsorger und Mönch in St. Konrad. Damit es die Pilger bequem erreichen können, ließen die Mönche eine Lücke in die Klostermauer brechen.

Das Zelt ist vergleichsweise klein: Rund 2000 Pilger passen hinein, die Basilika fasst etwa 8000. Doch an der seien eben dringende Reparaturen fällig gewesen, sagt Greimel. In manche Wände der Basilika sei Wasser eingedrungen. Risse würden nun verfugt und geschlossen. Steinböden und Kirchenbänke würden erneuert, ein neues Heizungssystem sowie neue Brandschutztüren eingebaut.

Neues Toilettengebäude für die Wallfahrer

Zum ersten Mal seit 1930 werde zudem die Kirche geweißelt. Und an der Westflanke, zum Garten des Kapuzinerklosters hin, entsteht ein 28 Quadratmeter großes Toilettengebäude für Wallfahrer. Die mussten bislang mehrere Hundert Meter weit zur Tiefgarage unter der Gnadenkapelle gehen, um ihre Notdurft zu verrichten. Für Notfälle sei das zu weit, sagt Greimel - noch dazu nach zig Kilometern zu Fuß.

7,5 Millionen Euro soll die Sanierung kosten. Zwei Millionen Euro Spenden haben die Kapuziner bislang gesammelt, das Übrige wird der Orden bezahlen. Schon im vergangenen Jahr ließen die Mönche das Äußere der Kirche renovieren, Gottesdienste feierten sie weiterhin, die Wallfahrten waren nicht betroffen. Nun aber ist die Kirche gesperrt. Wohl bis Palmsonntag 2014 wird in St. Anna keine Messe mehr gelesen. Bis alle Arbeiten beendet sind, kann es auch noch länger dauern, aber zumindest in der nächsten Wallfahrtssaison soll die Kirche wieder benutzbar sein. Die Herausforderung in diesem Jahr ist groß genug.

Denn besonders an Pfingsten herrscht Hochbetrieb. In den nächsten Wochen haben sich zahlreiche große Gruppen angekündigt: Am 14. Mai trifft unter anderem die Oberpfälzer Fußwallfahrt ein, Greimel rechnet für sie allein bereits mit etwa 1800 Pilgern. Am Pfingstsamstag erwartet er mehr als 30 Gruppen, darunter die größte von allen: die Regensburger Fußwallfahrt mit 9000 Pilgern. Und am Pfingstmontag kommen etwa 7000 Wallfahrer aus verschiedenen Orten, unter anderem aus München. Abgesagt hat die Wallfahrt wegen der Baustelle niemand, "alles findet statt", heißt es aus dem Altöttinger Wallfahrts- und Verkehrsbüro. Und das Zelt wird zeigen müssen, ob es hält, was es verspricht.

Zumindest Georg Greimel sieht die drohende Platznot gelassen. Mit dem Zelt ist er zufrieden. Es sei nagelneu, sagt er: Innen rieche es weder nach Rauch noch nach Bier. Es habe sich auch schon bewährt: Am 13. April kamen Tausende Pilger mit der Passauer Jugendwallfahrt. Und bei großem Andrang lasse sich eine Seite öffnen. Die Mönche würden dann Bierbänke in den Klostergarten stellen.