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Artenschutz:Raum für die Uferschnepfe

Neues Naturschutz-Großprojekt im mittelfränkischen Altmühltal

Die Uferschnepfe zählt zu den elegantesten Vögeln überhaupt. Vor allem wenn sie ihr Prachtkleid trägt: Kopf, Hals und Brust sind dann orange bis tief rostrot gefärbt und oft mit weißen oder schwarzen Tupfen durchzogen. Unterbauch und Unterschwanz sind weiß, Brust und Bauch durchziehen schwarze Querbänder. Der Oberkopf ist schwarz gestrichelt. Am auffälligsten freilich ist ihr langer orangefarbener Schnabel mit der schwarzen Spitze. Zugleich ist Uferschnepfe eine der seltensten Brutvogel-Arten Bayerns. Zuletzt wurden gerade mal 32 Paare gezählt. Die meisten davon lebten im oberen und mittleren Altmühltal. Dort hat Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dieser Tage das Naturschutz-Großprojekt "Lebensraum mittelfränkisches Altmühltal" gestartet. Denn die Region ist nicht nur bekannt für die Uferschnepfen. Sondern dort kommen praktisch alle heimischen Wiesenbrüterarten vor: der große Brachvogel genauso wie der Rotschenkel, die Bekassine oder der Wachtelkönig.

Das Projektgebiet ist etwa 7000 Hektar groß und liegt zwischen Colmberg im Norden und Trommetsheim im Süden. Ziel ist, die Wiesen entlang der Altmühl ökologisch aufzuwerten und die Qualität der Bäche und Flüsse in der Region zu verbessern. Denn nur so haben die vielen seltenen Vogelarten in der Region auf Dauer eine Chance. "Der Schutz bedrohter Arten und unserer heimischen Aufgaben ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit", sagt Umweltminister Glauber. "Das neue Naturschutz-Großprojekt leistet dazu einen Beitrag." Der Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig (CSU) sieht das ähnlich: "Artenschutz ist liegt uns sehr am Herzen, er ist wichtig für unsere Heimat." Der Landkreis Ansbach ist mit dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) Träger des Projekts. Bis Mitte 2022 geht es nun darum, alle möglichen Maßnahmen für den Erhalt von Uferschnepfe und Co zu planen. Insgesamt werden allein dafür knapp 700 000 Euro veranschlagt. Das meiste Geld stammt vom Bund. Er fördert die Planungen mit 75 Prozent. Weitere 15 Prozent übernehmen der Freistaat und der Bayerische Naturschutzfonds. Den Rest teilt sich die Trägergemeinschaft. Auch für die spätere Umsetzung der Pläne sollen hohe Zuschüsse fließen. "Schließlich ist das Altmühltal-Projekt von besonderer Bedeutung", sagt LBV-Chef Norbert Schäffer.

© SZ vom 02.06.2020 / cws

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