Altdorf "Islamschweinerei" - CSU-Bürgermeister entschuldigt sich für Aussage

Am Reformationstag soll Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, einen Vortrag halten. Bürgermeister Johann Pöllot macht seinem Ärger darüber auf dem Anrufbeantworter des Dekans Luft.

Von Katja Auer

Er sei kein besonders ängstlicher Mensch, sagt der Altdorfer Dekan Jörg Breu, aber in jüngster Zeit habe er doch Angst-Attacken gehabt.

Seit ein paar Wochen geht das so, seit ihm der dritte Bürgermeister auf den Anrufbeantworter gebrüllt hat. Dem hatte Breu eine Einladung geschickt zum Geistlichen Abend am Reformationstag in der Altdorfer Laurentiuskirche. Zum Gottesdienst und zum Vortrag von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Eine "Riesenislamschweinerei" sei das, schimpfte CSU-Mann Johann Peter Pöllot, seit bald 40 Jahren Stadtrat. Das gehöre sich nicht, das dränge konservative Christen aus der Kirche. Eine "unglaubliche Schweinerei" eben.

Pöllot selbst bestreitet das gar nicht. Er habe Breu damals nicht erreicht, sagt er am Freitag der SZ, nur den Anrufbeantworter, und da sei ihm das halt so rausgerutscht. Ein wenig durcheinander sei er ohnehin gewesen und da sei der Anruf eben "in die Hose gegangen". Aber er habe sich nun ja entschuldigt und das Ganze sei quasi ausgeräumt.

Entschuldigt habe er sich, bestätigt Breu, und zwar jetzt am Freitag. Also mehr als zehn Tage später und erst dann, als die Geschichte bekannt wurde.

Inhaltlich bleibt Pöllot dabei: Dialog mit den Muslimen schön und gut, aber bitteschön nicht in der Kirche und schon gar nicht am höchsten Feiertag der evangelischen Christen. Er sei kein Rechter, sagt er, und auch kein Islamfeind, aber das gehöre sich nicht. In der Laurentiuskirche sei er getauft, konfirmiert und getraut worden.

Dekan Breu treibt nun die Angst um, dass aus der Veranstaltung eine werden könnte, wie er sie eben nicht haben wollte. Eine Pegida-Demonstration ist für den Montagabend angekündigt, bis zu 50 Menschen könnten sich in Altdorf versammeln. Er fürchtet ein Zusammentreffen, Auseinandersetzungen gar. Wie weit er sein Hausrecht verteidigen wolle, habe ihn die Polizei schon gefragt. "Bevor in meiner Kirche bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, muss ich die Veranstaltung abbrechen", sagt er.

Aber das hat er nicht vor, schon weil es ein Triumph für die Gegner wäre. Mazyek soll kommen und zum Thema sprechen: "Was ich mir von Christen wünsche - Christen und Muslime gemeinsam für Barmherzigkeit und Nächstenliebe".

Breu klingt beinahe ein wenig fassungslos, wie viel Hetze ihn wegen dieser Veranstaltung erreicht. "Es ist doch normal, dass die Religionen miteinander reden", sagt er.

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