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Landwirtschaft:Was Almbauern so besonders macht

AVO Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern

Perfekter Platz: Die bayerischen Almen werden von etwa 1400 Almbauern bewirtschaftet.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • Etwa 1400 Almbauern bewirtschaften die Almen in den bayerischen Bergen.
  • Sie halten an naturschonenden Wirtschaftsweisen fest wie sonst nur die Biobauern.
  • Die Almbauern haben ein ganz besonderes Selbstbewusstsein - und das liegt nicht nur an der harten Arbeit, die sie auf dem Berg verrichten.

Dicke, sonnengebräunte Wadl, eine feine Hirschlederne und die Ärmel seines weißen Trachtenhemds säuberlich nach oben gekrempelt - Nikolaus Rinner ist ein oberbayerischer Milchbauer wie aus dem Bilderbuch. Auf dem Hinterschnoada-Hof im Isarwinkel hält der 56-Jährige 27 Kühe, mit dem Jungvieh und den Kalbinnen bringt er es auf 60 Stück Vieh. Rinner ist aber nicht nur Milchbauer, er ist auch Almbauer. Bereits in achter Generation bewirtschaftet seine Familie die Zwieselalm, die auf 1245 Metern Höhe unterhalb des gleichnamigen Grasgipfels liegt. "Meine Alm", sagt Rinner und man hört den Stolz aus seiner kehligen Stimme, "die is mein Leben."

Auch in diesem Sommer hat Rinner seine Jungtiere wieder auf den Zwieselberg heraufgebracht. Bedächtig malmen die 20 Stück braun-weißes Fleckvieh auf den sanft ansteigenden Weiden am Zwieselberg das Gras in sich hinein. Wenn es ihnen zu heiß wird, suchen sie sich unter einer knorrigen Fichte einen schattigen Platz. Und für die Wanderer gibt es auf der Zwieselalm Bier, Limo, Kaffee, Kuchen und andere Kleinigkeiten. Der Blick bei den Hütten reicht weit übers Längental bis zum Brauneck und zur Benediktenwand.

Naturschonende Wirtschaftsweise auf der Alm

Rinner und die anderen ungefähr 1400 bayerischen Almbauern sind ein ganz besonderer Schlag. Das liegt vor allem daran, dass die Arbeit oben auf dem Berg eine besonders harte ist - trotz der vielen hoch modernen Technik, die auch die Bergbauern längst einsetzen. Es hat aber auch sehr viel damit zu tun, dass die Almbauern an naturschonenden Wirtschaftsweisen festhalten wie sonst nur die Biobauern. Und dann ist da noch ihr einzigartiges Selbstbewusstsein. "Seit 40 Jahren schon ist keine Alm mehr in den bayerischen Bergen aufgegeben worden", sagt Georg Mair selbstbewusst. "Einmal Almbauer, immer Almbauer." Mair muss es wissen. Er ist Chef des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, der Standesvertretung der Almbauern.

Die Almen oder Alpen, wie sie im Allgäu heißen, sind keine gewöhnlichen Agrarflächen. Sie sind einzigartige Kulturlandschaften. So hat es zumindest der Biologe Alfred Ringler, der zu den besten Kennern der Almwirtschaft zählt, einmal formuliert. Wie recht Ringler hat, erkennt man schon an der einzigartigen Artenvielfalt auf den Almen. Ob Enzian, Spornveilchen, Mehlprimel oder Wundklee, nirgends blüht es so bunt wie auf ihnen. Auch das Auerwild, Murmeltiere, Steinadler und viele andere seltene Tierarten fühlen sich wohl in den Almregionen.

Auch die Menschen sind gerne auf der Alm - egal ob Einheimische, Ausflügler oder Urlauber. Von Berchtesgaden bis Oberstdorf ziehen sie an schönen Sommertagen zu Tausenden auf den Pfaden und Forstwegen zu ihnen hinauf. Und im Winter donnern sie auf Skiern und Snowboards die Weiden hinab, wie die Skilifte auf den Almen am Brauneck und anderen Münchner Hausbergen bezeugen. Für die Lokalpolitiker in den Tourismusgebieten ist die Almwirtschaft gleichsam das Rückgrat der ganzen einheimischen Wirtschaft. "Geht's den Almbauern gut, dann geht's uns allen gut", sagt zum Beispiel der Bad Tölzer Landrat Josef Niedermaier.