Allgäu:Die uneinnehmbare Burg ist längst Abenteuerspielplatz

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Wumms. Dumpf rumpelt es. Die Zuhörer zucken zusammen. Ein Bub rappelt sich auf und rennt grinsend davon. Er war von außen über die Mauer geklettert und in den Küchenzwinger gesprungen. Die uneinnehmbare Burg ist längst Abenteuerspielplatz. Vier Kinder toben an diesem Tag stundenlang durch die Anlage.

Sechs Jahrhunderte überstand die Trauchburg unbeschadet auf dem Bergsporn, dann wurde es den Damen der Familie 1784 zu ungemütlich. So erzähle man es jedenfalls, sagt Freytag. Die Grafen bauten bei Isny ein Barockschlösschen und tauften den neuen Verwaltungssitz Neu-Trauchburg. Die alte Burg diente als Steinbruch und wurde sich selbst überlassen. Der Wald nahm die gerodeten Steilhänge wieder in Besitz und bewucherte die Mauern wie Grimm's Dornröschen-Schloss.

Wer den Blick schweifen lässt, sieht rundherum noch immer zahllose Nuancen von Grün. Auch die Mauer der Vorburg ist überwachsen, dahinter stehen Fichten dicht an dicht. Aus den Burgmauern sprießen Gräser und zarte blaue Blümchen. Peter Freytag sagt: "Wir müssen dringend das Mauerwerk reinigen." Regelmäßig ein bisschen zu tun, sei günstiger als alle paar Jahre der Rundumschlag. Er nennt die Burg einen "romantischen Ort", aber die Erinnerung an die Schuttberge ist noch präsent. Vier Meter hoch türmte sich der Dreck von Jahrzehnten. In mühevoller Kleinarbeit befreiten die Weitnauer zwei Jahre lang ihre Burg und richteten sie danach wieder her.

Wie es sich für ihn als Bürgermeister damals anfühlte, die Burg in Besitz zu nehmen? Freytag zuckt mit den Schultern und sagt: "Wir wussten, dass eine gewaltige Arbeit auf uns zukommt." Die Burg sollte ein sicheres Ausflugsziel für Touristen und Einheimische werden. Aber kosten durfte es die Kommune nichts. Freytag ging also Klinkenputzen und bekam insgesamt 200 000 Mark an Zuschüssen. Die Arbeit erledigten unter anderem die Vereine der Gemeinde. "Das war schon eine elektrisierende Zeit", sagt er.

Bevor die Weitnauer aber zu Burgherren wurden, wäre fast ein Unglück geschehen: Im Winter donnerten nachts Felsen ins Tal. Geröll, dachten sie unten. Es war ein fünf Meter breites Stück der Nordwand. Die Gemeinde hatte die Wahl: Die Ruine absperren oder den Schutt wegräumen und herrichten. "Dagegen war niemand, also habe ich mit dem Fürsten geredet", sagt Freytag. Der Grund und weite Teile des Waldes gehören noch immer der Familie Waldburg-Zeil. Ausflugsziel und Theaterkulisse war die Alt-Trauchburg zwar schon viele Jahre, aber seit sie der Gemeinde gehört, finden auch Festivals, Messen und Hochzeiten statt. Beim Burgfest am 20. August wird mit Gauklern und Händlern wieder Mittelalter-Flair einziehen.

Ein Rätsel gibt es auf der Burg, das auch Peter Freytag nicht mit Fakten klären kann: Wohin führt das Loch in der Mauer unterhalb des Küchenzwingers? Das sei nichts, den Raum könne man nicht zuordnen, sagt Freytag, der sonst zu jeder Mauer eine Geschichte erzählt, längst vergangene Umrisse von Kapelle, Tanzsaal und Waffenkammer erklärt. Ein Nichts? Wer auf den Vorsprung klettert und hineinschaut, sieht: Schwarz. Plötzlich peitscht eine steife Brise durch die Baumwipfel, Wolken verdecken die Sonne, dumpf dröhnend braust der Wind durch den Wald. Sind das die Hexen? Der Trochar? Am hellen Tag? "Das Wetter kommt von Westen", sagt Freytag. Immer die Fakten im Blick behalten.

Bis Mitte September führt Peter Freytag immer mittwochs von 15 Uhr an durch die Alt-Trauchburg.

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