Allgäu Polizeikontrolle in Zug eskaliert

Bei einer Schießerei in einem Zug auf der Bahnstrecke Kaufbeuren-Kempten wurden zwei Polizisten verletzt. Der Bahnhof in Kempten wurde abgesperrt.

(Foto: dpa)

Ein Toter und drei Schwerverletzte: Bei einer Kontrolle im Zug nach Kempten kommt es zu einer Schießerei. Ein Polizist wird schwer verletzt. Wenig später wird eine Leiche entlang der Bahnstrecke entdeckt - offenbar einer der zwei Tatverdächtigen. Die Ermittlungen laufen.

Von Ingrid Fuchs

Bei einer dramatischen Auseinandersetzung zwischen Beamten der Bundespolizei und Fahrgästen in einem fahrenden Zug ist im Allgäu ein 20 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Drei weitere Männer, darunter die beiden Polizisten, wurden am Freitagnachmittag schwer verletzt.

Die Beamten wollten die Fahrgäste auf der Strecke von Kaufbeuren nach Kempten kontrollieren, wie das Kemptener Polizeipräsidium mitteilte. Gegen 14.30 Uhr stellten sie bei einem 20-Jährigem fest, dass er zur Fahndung ausgeschrieben war. Der Mann war wegen räuberischen Diebstahls zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Daraufhin sollen er und ein weiterer Fahrgast und auf die Polizisten losgegangen sein, es kam zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung bei der auch Schüsse fielen. "Durch wen und in welche Richtung geschossen wurde, ist noch Gegenstand der Ermittlungen", sagte ein Polizeisprecher.

Ein 44 Jahre alter Beamter wurde bei dem Streit von einer Kugel ins Bein getroffen, sein Kollege erlitt durch Schläge auf den Kopf ebenfalls schwere Verletzungen. Die Männer schweben allerdings nicht in Lebensgefahr. Ein zufällig mitfahrender LKA-Beamter hatte den Vorfall offenbar auch bemerkt. "Er begab sich zu dem Abteil und gab im weiteren Verlauf mehrere Schüsse auf die Tatverdächtigen ab", heißt es etwas sperrig in einer Mitteilung der Polizei.

Vor der Notbremsung abgesprungen

Die Schießerei ereignete sich im fahrenden Zug, bei Günzach kam es deshalb zu einer Notbremsung der Regionalbahn. Einige Fahrgäste flüchteten dort aus den Waggons. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass die beiden Männer noch vor der Notbremsung unbemerkt aus dem Zug gesprungen waren; dabei zog sich der eine offenbar schwere Verletzungen zu, der andere wurde wohl überrollt. Wer die Notbremse zuvor gezogen hatte, blieb unbekannt.

Der Zug fuhr anschließend weiter bis nach Kempten. Der Bahnhof wurde sofort abgeriegelt und die Waggons durchsucht. Weil die Täter nicht gefunden werden konnten, begann eine Großfahndung. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis die Polizei meldete, dass eine Leiche neben der Bahnstrecke gefunden worden sei, etwa dort wo zuvor die Notbremse gezogen worden war. Bald war klar, dass es sich bei dem Toten um den 20-jährigen Verdächtigen handelte. Der zweite Mann wurde kurz darauf mit schweren Verletzungen in der Nähe gefunden und mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen.

Wegen des Zwischenfalls wurde am Bahnhof in Kempten Großalarm ausgelöst, insgesamt waren mehr als 100 Polizisten und Helfer von Rettungsdiensten im Einsatz. Ein Teil der etwa 400 Fahrgäste des "Alex"-Expresses 81148 musste psychologisch betreut werden. Die Bahnstrecke zwischen Günzach und Kempten war stundenlang gesperrt.