Skandal um Tierquälerei Drohungen gegen Milchviehbetrieb

Nachdem bekannt geworden ist, dass Kühe auf einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns gequält wurden, häufen sich Drohungen gegen die Betreiber. Aber auch Tierschützer klagen über Einschüchterungsversuche.

Von Pia Ratzesberger

Nach Bekanntwerden der Tierquälereien in einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns mehren sich Proteste gegen die Landwirtsfamilie Endres in Bad Grönenbach - und die Drohungen. Am Mittwoch sei ein Mann auf das Gelände des Betriebes gefahren, habe mit einem Messer herumgefuchtelt und gesagt: "Ich habe etwas zum Schlachten dabei", teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen mit. Der Mann sei identifiziert worden.

Am Abend wurde ein Polizeiwagen zur Kontrolle auf dem Hof vorbeigeschickt. Nähere Angaben zu einer etwaigen Überwachung des Betriebs macht die Polizei nicht. Ebenfalls am Mittwoch hing an einer Autobahnbrücke in der Gegend ein Banner mit dem Spruch: "Endres Bossenbauer im Grund gnomma k'herat dir da Grund gnomma!" Die Polizei beobachtet auch die Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Dort wird einem Sprecher zufolge mittlerweile aber zunehmend generell über Vorteile und Nachteile von Massentierhaltung diskutiert statt über den Fall im Allgäu.

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Die Soko Tierschutz kritisiert, dass Aktivisten im Ort angegangen worden seien. Am Montag seien bei einem Tierschützer Mitarbeiter von Endres vor der Tür gestanden und hätten ihm "resolut klar gemacht", dass der Verein seine Aufdeckungen zurücknehmen solle. Der Verein habe darauf "Sicherheitsmaßnahmen für den Aktivisten ergriffen". Eine weitere Tierschützerin, die an dem Bauernhof vorbeifuhr, sei von einem Auto verfolgt worden.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz, sagt: "Wir können nicht akzeptieren, dass jeder Tierschützer im Ort bedrängt wird, nur weil dieser Betrieb in Bedrängnis gerät." Soko Tierschutz hatte der SZ, "Report Mainz" und "Fakt" eine Dokumentation übergeben, die über fast vier Wochen hinweg Tierquälereien in dem Betrieb zeigt. Derweil fordern die Grünen, dass Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) an der Sitzung des Umweltausschusses im Landtag zu dem Skandal teilnimmt. Sie soll wie Umweltminister Thorsten Glauber (FW) Stellung zu den Vorwürfen beziehen.

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