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Wahrzeichen:Der Grünten-Penis ist abgesägt

´Kulturdenkmal" Holzpenis auf dem Grünten steht wieder

Da stand er noch: der Holzpenis auf dem Grünten.

(Foto: dpa)

Im Allgäu stehen sie vor einem Rätsel, die Wut unter Einheimischen ist groß: Es hat jemand Hand angelegt an die umstrittene Skulptur.

Glosse von Florian Fuchs

Der sogenannte Gipfelkreuz-Hacker kann es nicht gewesen sein. Der Gipfelkreuz-Hacker hatte sich ja, wie der Name sagt, auf Gipfelkreuze spezialisiert, und vor allem im Jahr 2017 eins nach dem anderen umgehackt. Da hatte einer eine Mission, aber dass diese Mission nun auf Holzpenisse erweitert wurde, scheint weit hergeholt zu sein. Im Allgäu stehen sie also vor einem Rätsel, die Wut unter Einheimischen ist groß: Der Grünten-Penis ist abgesägt.

Die Holzskulptur, die lange in der Nähe der Grüntenhütte stand, darf durchaus als Allgäuer Kulturdenkmal bezeichnet werden, entsprechend tief sitzt der Schock. Den Sägespänen auf Fotos vom Tatort nach zu urteilen, muss es ein Massaker gewesen sein, das die liebevoll "Gipfelzipfel" genannte Skulptur ereilt hat: Ein Stumpf ist noch zu sehen, ansonsten bleibt einzig die Geschichte, von der keiner so ganz genau weiß, wie sie sich nun wirklich zugetragen hat. Der Legende nach soll der Holzpenis ein Geschenk zu einem 18. Geburtstag gewesen sein. Weil aber so ein zwei Meter hohes Trumm kaum in einen Garten passt - räumlich wie bildlich -, sollen junge Burschen das Ding auf einem Schlitten den Berg hochgezogen und dort feierlich abgestellt haben. Nicht immer war der Grünten-Penis standhaft, einige Male ist er bereits umgefallen, wohl weil er bei Kühen recht beliebt war, die sich gerne daran rieben. Aber aufgestellt haben ihn Unbekannte immer wieder, auch kürzlich Mitte November.

Jetzt ist er weg, und in sozialen Netzwerken ist die Aufregung groß: "Es stoht jeden Tag a Depp auf", wie die Allgäuer sagen, ist noch eine der harmloseren Verwünschungen für den Täter, der wahlweise als "prüde", "oberchristlich" oder "humorlos" beschimpft wird. Als Trost bleibt: Es wird wohl keinen zweiten 18. Geburtstag benötigen, um eine neue, ähnliche Skulptur für den Berg zu erschaffen, der auch "Wächter des Allgäus" genannt wird. Die Schar der Freiwilligen, sich handwerklich zu betätigen, ist groß. Sie werden etwas mehr Mühe haben als der oder die Randalierer, die ja nur nachts eine Säge und eine Axt auf den Berg raufschleppen mussten. Aber sie werden es schon schaffen. Damit es auch weiterhin "der" Grünten heißt - und nicht "die" Grünten.

© SZ vom 01.12.2020/van
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