Mitten in Bayern:In zehn Minuten nach München-West

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Bahnoberleitung am Ostbahnhof in München, 2011

An Verkehrsknotenpunkten wie dem Münchnr Ostbahnhof mangelt es nicht an Oberleitungen. Im Allgäu dafür umso mehr.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Allgäu lässt die Elektrifizierung der Bahn auf sich warten, das bedeutet für Pendler allerlei Unannehmlichkeiten. Das böte die Gelegenheit, eine Vision von Edmund Stoiber zu reaktivieren.

Glosse von Thomas Stöppler

Dass Diesel-Motoren für die Luftreinhaltung problematisch sind, wissen Autofahrer und VW-Aktionäre längst, aber nun müssen sich bald auch Bahnfahrer damit auseinandersetzen - jedenfalls die im Allgäu. Denn das Streckennetz im bayerischen Südwesten ist zum Großteil noch nicht elektrifiziert, es gibt also keine Oberleitungen. Deshalb ziehen dort Diesel-Loks Pendler und Touristen über die Lande. Klingt beinahe romantisch, wird aber bald sehr ungemütlich, weil nur noch wenige Dieselzüge nach München einfahren dürfen, der Luftreinhaltung wegen. Also müssen viele Pendler nach einem Fahrplanwechsel im Dezember in Buchloe in andere Züge umsteigen.

So weit so nervig, aber Abhilfe ist in Sicht. Allerdings sollen keine elektrischen Oberleitungen gebaut werden. Das dauert zu lange: Um die Infrastruktur des Allgäus auf den neuesten technischen Stand von 1950 zu bringen, bräuchte es etwa 20 Jahre. Da ist es nur weise und sinnvoll, gleich weiter zu denken. Hybrid-Lösungen sind im Gespräch: Entweder mit Oberleitungs-Batterie oder, und jetzt wird es politisch problematisch, mit Wasserstoff-Batterie. Solche Züge gibt es bereits, sie sind getestet und werden nächstes Jahr in Norddeutschland eingesetzt, aber es wäre ein Zugeständnis an Wasserstoffminister Hubert Aiwanger, das Ministerpräsident Markus Söder mutmaßlich niemals zulassen könnte.

Deshalb könnte die CSU eine totgeglaubte Idee reaktivieren und zugleich ihrem ehemaligen Vorsitzenden ein verspätetes Geschenk zum 80. Geburtstag machen: Endlich, fast 20 Jahre nach Edmund Stoibers legendärer Rede über das Einchecken in Bahnhöfe, führe ein Transrapid von München zum Flughafen. Zwar nicht zum Airport Franz Josef Strauß, sondern nach München-West. Nach Memmingen also, dort ist jüngst ausgebaut worden, es gibt eine neue Gepäckhalle und man kann jetzt auch nach Plovdiv in Bulgarien fliegen. Wenn Sie also in den Hauptbahnhof einsteigen, ohne dass Sie noch einchecken müssen, mit dem Transrapid in zehn Minuten (gut, vielleicht 20 nach München-West) an den Flughafen, dann starten Sie ja praktisch am Hauptbahnhof. Das bedeutet natürlich auch, dass der Flughafen Memmingen im Grunde genommen näher an Bayern heranwächst, an die bayerischen Städte heranwächst, weil das ja klar ist.

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