Affäre Fröhlich/Seehofer Eine geliebte Last

Die Chancen von Horst Seehofer, CSU-Chef zu werden, schwinden - seine einstige Geliebte packt aus und wird dabei auch politisch.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Ein Politiker, der noch etwas werden will, kann bestimmte Schlagzeilen nicht gebrauchen. "Ex-Geliebte erzählt alles", titelt Bild. Die Münchner Abendzeitung schreibt: "Jetzt redet seine Ex." Und die Lokalkonkurrenz tz verrät: "Seinem Baby schickt er nur noch SMS."

Das Titelbild der "Bunten", aus dem die bunten Blätter heute ausgiebig zitieren.

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Bei solchen Offenbarungen kann man eigentlich zunächst mal nur eine Auszeit nehmen. Hat der seit vielen Jahren verheiratete Horst Seehofer, der Ende September um den Parteivorsitz der gut katholischen CSU kämpft, angesichts der Lust des Boulevards überhaupt noch eine Chance?

Welchen Eindruck machen solche Storys bei den Parteifreunden, die wiederum unentwegt an den Wähler denken? Und das in einer Partei, deren breite Mehrheit noch vom weiß-blauen Familienglück auf dem Land als des Lebens letzter Schluss ausgeht?

Auslöser der Geschichten rund um die Ex ist eine Titelgeschichte der Bunten, die sich zum Zentralorgan für Beziehungs- und Unterleibsfragen entwickelt hat. "Jetzt spricht seine Geliebte", steht auf dem Titel der neuen Ausgabe, die extra einen Tag früher erscheint und auch Berlin aus dem Sommerloch reißt. Die Sache ist offenbar so ernst, dass selbst die Financial Times Deutschland der Affäre den Unteraufmacher auf Seite eins widmet: "Die Rache der Ex-Geliebten."

Mitten ins Zentrum der Union

Es muss also um ganz viel gehen, zumindest mal um den konservativen Standort Bayern. Hier verzieh man einst Franz Josef Strauß ganz viel, aber bitteschön, geheim sollte es schon bleiben.

Die Bekenntnisse der Anette Fröhlich, 33, die sich lächelnd stark auf dem Bunte-Cover zeigt und ihre "Langliebigkeit" preist, zielen mitten hinein in das Zentrum der Union. Die Frau, die bald wieder als Büroassistentin des CDU-Parlamentariers Laurenz Meyer arbeiten will, stellt in Aussicht, dass sie auch zum CSU-Wahlparteitag kommt - sie habe ja schon früher ihren Vater, den einstigen CSU-Bürgermeister Rainer Fröhlich, oft zu politischen Terminen begleitet.

Das werde doch "eine spannende Veranstaltung, schon allein die Rede von Frau Pauli wird sicherlich lohnenswert". Und sie ergänzt, dass Seehofer, wenn er gut rede, sicher viele Stimmen bekommen werde.

Der Vater ihres Kindes wird sicher begeistert sein über das Lob für Rhetorik und über den Hinweis auf die Rivalin Gabriele Pauli. Ebenso auf die der Öffentlichkeit präsentierte Information, dass er so lange gezaudert habe und schließlich die Entscheidung pro Ehefrau nur telefonisch übermittelte - nach Konsultation der Partei. Da schüttelt es den Bunte-Leser und die anderen wundern sich.

So viel Intimschau bringt in der Außenwirkung Minuspunkte, verdirbt die B-Note. Auch ein Imageberater könnte Horst Seehofer hier wenig helfen. In den Bierzelten, in denen er im September tüchtig Stimmung für sich machen will, werden sie tuscheln über ihn, Anette Fröhlich und die kleine Anna-Felicia Eva Margarethe.

Seehofer bleibt einer der wenigen gewichtigen, ernstzunehmenden Politiker. Er sollte in der CSU seinen Platz finden - doch ganz oben wird die Partei ihn nach dieser Sommerloch-Story nicht platzieren. Nein, ein "Politskandal", wie die gutbürgerliche Bunte dem Volk weismachen will, ist das nicht. Wohl aber eine Weekly Soap, die die CSU für ihren Neubeginn nach dem Abgang von Edmund Stoiber nicht gebrauchen kann.

Und alle fragen sich, was die Ex noch erzählt.