Bayerischer Landtag "Wir sind in der Findungsphase", sagt der Abgeordnete Markus Bayerbach

Dabei stoßen sich einige auch an dem Führungsstil von Ebner-Steiner und ihren Unterstützern, der wohl auch Swoboda nicht gut bekommen ist. "Wir müssen uns nicht lieben - aber menschlich müssen die Dinge einfach geklärt sein", meint ein Abgeordneter. Vielleicht sei der Fall Swoboda "für jene, die alles an sich ziehen", auch ein "Schuss vor den Bug" - und es werde auf kurz oder lang ein neuer Umgang gepflegt.

Die Hoffnung, dass sich etwas ändern könnte, gibt auch Bayerbach nicht auf. Schon jetzt werde auf Kritik eingegangen. Zuletzt tauchten auch einzelne Abgeordnete und nicht nur Ebner-Steiner in Pressemitteilungen der Fraktion auf. Bayerbach sagt: "Wir sind in der Findungsphase. Wir brauchen noch mindestens ein halbes Jahr, bis wir unseren Stil gefunden haben."

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Ob noch weitere Abtrünnige in Aussicht stehen oder ob der Fall Swoboda doch der Auftakt zur Spaltung sein könnte? "Was in den Köpfen Einzelner vorgeht, weiß man nie", sagt ein Abgeordneter. Kollegen, die vielleicht ähnlich denken, sähen nun auch die harschen Reaktionen. Dass Swoboda auch seiner Partei den Rücken kehrt, soll in internen Chat-Gruppen einen "Shitstorm" ausgelöst haben. Denn bei aller Kritik am Umgang in der Fraktion, so heißt es, könne die Basis nichts dafür, die mittelfränkische AfD habe dem früheren Polizisten Listenplatz eins im Bezirk zur Landtagswahl beschert. Doch auch in öffentlichen AfD-Kanälen auf Facebook war am Donnerstag vor allem ein Wort zu lesen: "Verräter".

Fabian Mehring fällt ein anderes Wort zu ihm ein. "Mutig" nennt der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler Swobodas Schritt und prognostiziert, dass noch weitere folgen werden: "Das ist erst der Anfang. Die werden sich zersetzen." Soweit, dass die FW Swoboda bei sich aufnehmen würden, geht die Respektbekundung dann aber nicht. Auch CSU und FDP schließen es aus, abtrünnige AfD-Mitglieder bei sich willkommen zu heißen. "Da ist keiner dabei, der sich zur AfD nur verirrt hat", sagt FDP-Fraktionschef Martin Hagen.

Swoboda hat bis zum Donnerstag noch keine öffentliche Erklärung abgegeben. In seinem Brief an die Fraktion soll er aber mitgeteilt haben, als fraktions- und parteiloser Abgeordneter sein Mandat zu behalten. Selbst wenn es noch weitere Austritte bei der AfD geben sollte, können sie sich nicht zu einer eigenen Fraktion zusammenschließen. Es ist nicht möglich, zwei Fraktionen von AfD-Abgeordneten zu bilden, wie es etwa in Baden-Württemberg der Fall war. Selbst bei Gründung einer neuen Partei wäre eine eigene Fraktion ausgeschlossen. Nur Parteien, die in den Landtag gewählt wurden, sind dazu berechtigt. Dazu hatte der Landtag extra zu Beginn der Legislaturperiode die Geschäftsordnung geändert.

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