Alternative für Deutschland "Klassische Bildung statt Multikulti-Umerziehung"

Derzeit kämpft die AfD mit dem Image als Partei mit rechtsextremen Positionen - wegen ihrer Anti-Euro-Haltung und teils kruden Forderungen: "Klassische Bildung statt Multikulti-Umerziehung" hieß es auf der Facebook-Seite der Partei; im Wahlprogramm stand: "Eine ungeordnete Zuwanderung in unsere Sozialsysteme muss unbedingt unterbunden werden." Beides hat die AfD korrigiert, trotzdem bleibt ein Verdacht: Die Partei möchte sich bei ausländerfeindlichen Wählern anbiedern.

Inzwischen bemüht sich der Bundesvorstand, mit diesem Verdacht aufzuräumen. Auch Bayerns Landesbeauftragter Schünemann weist rechtsextreme Tendenzen zurück: "In unserer Satzung findet sich überhaupt nichts, was darauf schließen lässt, dass wir nur am rechten Rand fischen." Genauso falsch sei, dass die AfD die Abschaffung des Euro fordere: "Das steht so in unserem Wahlprogramm nicht drin", sagt Schünemann. Man wolle den Eurostaaten lediglich die Möglichkeit geben, zur nationalen Währung zurückzukehren. Ebenso vorstellbar sei die Aufspaltung in Nord- und Südeuro.

Zum öffentlichen Misstrauen gegenüber der AfD hat aber auch Schünemann beigetragen: Als am Ostersonntag etwa 150 Mitglieder zur Gründung des Landesverbandes nach Ebersberg gekommen waren, sperrte er die Presse aus. Obwohl Schünemann beteuert, es habe "nichts zu verheimlichen" gegeben, entstand nach außen ein anderer Eindruck. Der Landesbeauftragte rechtfertigt den Ausschluss der Öffentlichkeit: "Wir wollten unter uns sein, um uns selbst erst einmal kennenzulernen und herauszufinden: Wer sind wir überhaupt? Wir wollten nach außen hin keine Chaos-Truppe darstellen."

Wie im übrigen Bundesgebiet wirbt die AfD auch in Bayern mit Professoren und Hochschullehrern als intellektuellen Aushängeschildern. Zu den Unterstützern der Partei gehören unter anderem der Nürnberger Volkswirt Peter Oberender, der Ebersberger Bundesrichter Wolfgang von Eichborn sowie der Verleger und frühere CSU-Referent Bruno Bandulet aus Bad Kissingen, der unter anderem Kolumnen für die rechtsnationale Zeitschrift Junge Freiheit schreibt und die Wiedereinführung der D-Mark fordert. Eine populistische Forderung, wie Münchens Oberbürgermeister Ude findet: "Ich finde es intellektuell unbefriedigend, dass so viele Volkswirtschaftsprofessoren nicht mit Verbesserungsvorschlägen aufwarten, sondern mit nostalgischen Gefühlen."

Trotz aller Populismus-Vorwürfe trifft die AfD offenbar den Nerv vieler Bayern. Seit der Gründung vor zwei Wochen hat die bayerische AfD mehr als 500 Mitglieder dazugewonnen und ist mit gut 1300 Mitgliedern der zweitgrößte Landesverband nach Nordrhein-Westfalen. An der Hürde von 2000 Unterschriften dürfte die Zulassung zur Landtagswahl also kaum scheitern. Letztlich wird es auf die Mitgliederabstimmung am 11. Mai in Ingolstadt ankommen. Dann soll auch Schluss sein mit der Geheimniskrämerei: Presse und Öffentlichkeit, verspricht Wolf-Joachim Schünemann, seien herzlich willkommen.