Alternative für Deutschland Euro-Skeptiker erwägen Antritt bei der Landtagswahl in Bayern

Die einen würden gerne, die anderen trauen sich nicht: Die euroskeptische Partei Alternative für Deutschland ist gespalten in der Frage, ob sie bei der Landtagswahl in Bayern antreten soll. Die etablierten Parteien rätseln bereits, wen dies die meisten Stimmen kosten könnte.

Von Andreas Glas und Mike Szymanski

Die Teilnahme an der Bundestagswahl ist beschlossen, jetzt drängt die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) offenbar in die Landespolitik. Bei einer Mitgliederversammlung am 11. Mai in Ingolstadt wolle die Partei entscheiden, ob sie im Herbst bei der bayerischen Landtagswahl antreten werde, sagte der AfD-Landesbeauftragte Wolf-Joachim Schünemann der Süddeutschen Zeitung. Bevor die Parteimitglieder abstimmen, werde eine interne Antragskommission die Wahlchancen im Freistaat prüfen. Die Gespräche sollen noch in dieser Woche beginnen.

Zu welchem Ergebnis die Kommission kommt, ist schwer einzuschätzen. Aktuell herrscht Uneinigkeit innerhalb des Landesverbandes - und zwar aus wahltaktischen Gründen: Ein Scheitern bei der bayerischen Landtagswahl am 15. September könnte sich nachteilig auf die kurz danach stattfindende Bundestagswahl (22. September) auswirken. "Die eine Hälfte der Mitglieder sagt ganz klar: Wir würden liebend gerne antreten. Die andere Hälfte sagt: Nein, damit schaden wir der Bundesausrichtung", sagte Schünemann.

Nach Einschätzung des SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude dürfte die AfD, sollte sie zur Landtagswahl antreten, allen anderen Parteien Stimmen wegnehmen, vor allem jedoch CSU und FDP. "Die haben selbst lange Zeit mit ihrer Kritik Ressentiments geschürt und den Boden für die Partei erst bereitet", sagte Ude am Dienstag der SZ. Erfolgschancen gibt er der neuen Partei allerdings keine: "Ich traue mich zu wetten, dass sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringen."

Auch die Freien Wähler müssten bei einem Wahlerfolg der AfD wohl um Stimmen fürchten. FW-Chef Aiwanger räumt ein, dass mit der AfD eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen ist: "Die vernünftigen Eurohilfen-Kritiker können uns wählen, die Radikalen werden AfD wählen." Das größte Wählerpotenzial sieht er aber beim schwarz-gelben Lager: "Bei den AfD-Anhängern handelt es sich zu 90 Prozent um Abtrünnige von Union und FDP." Ein Wahlerfolg der neuen Partei könne dazu führen, dass die FDP aus dem Landtag fliege, glaubt Aiwanger.