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Populismus:Ebner-Steiner dekliniert AfD-Themen in den Rollen der Ehefrau und Mutter

Sie selbst spricht ganz unironisch von einem "geliebten Biedermeier-Zuhause". Eine Frau, für die es nichts Schöneres gibt, als "die kleinen Engelchen im Bett liegen zu sehen", wie sie sagt, ihnen die Butterbrote zu schmieren und die Tränen zu trocknen, um sie danach wieder lächeln zu sehen. So hat sie den deutschen Müttern in einer Video-Botschaft zum Muttertag gratuliert. Bloß, warum tut sie sich dann "den Dreck der Politik" an, wie sie die Machtkämpfe in der AfD nennt. Politik mache die Frau zum Mann, zitiert sie ihren Parteikollege Björn Höcke. Mit ihm, dem rechtsextremen Landesvorsitzenden von Thüringen, verbindet sie eine Freundschaft, "die Flügel verleiht", wie sie einmal bei einem Besuch Höckes in ihrer Heimat schwärmte: Sie beide seien Idealisten, deshalb verstünden sie sich so gut.

Ein Spaziergang mit Katrin Ebner-Steiner in Niederalteich die Donau entlang, ihr Lieblingsort. Hier sieht sie die kleine Katrin mit den Flechtezöpfen und den Gänseblumen im Haar spielen - "mein Bullerbü", sagt sie in Erinnerung an ihre Kindheit. Irgendwann wollte aber auch sie raus dem trauten Heim und rauf auf die große Bühne. Anfang 2015, beim ersten AfD-Stammtisch, wurde ihr klar, das wird "meine Familie", weil die "jemanden wie mich brauchen". Jemanden, der die AfD-Themen Heimat, Tradition und Familie in den Rollen der Ehefrau und Mutter durchdekliniert - und knallhart Stimmung gegen alles macht, was von außen kommt.

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Wenn sie sich als Dirndlträgerin den berüchtigten Höcke-Spruch vom "Mahnmal der Schande" zu eigen macht, dann wirkt das eher bayerisch-folkloristisch als rechtsradikal. Ein Parteifreund hat es so formuliert: Man brauche jemanden, der kein Problem damit hat, seinen Hintern aus dem Fenster und sein Gesicht in die Kamera zu hängen. Auf Facebook zeigt Ebner Steiner täglich, dass sie Probleme nicht kennt. Da sieht man sie den Teig kneten, den Tannenbaum mit dem Sohn schmücken, den Teller mit der Ente, dem Knödel und der Soß richten, die Kerze in der Kirche anzünden; auch den Passauer Bischof Stefan Oster mit dem Segen vergisst sie nicht. All das hat den Anschein des zutiefst Bürgerlichen, des Weiblich-Warmen, hinter dem sich Abgründe auftun, etwa dann, wenn Ebner-Steiner bei einer Rede von den "blutleeren Figuren der Altparteien" spricht.

Ihre "Sturm und Drang-Phase" gefällt nicht nur ihrem Ehemann, "passt doch gut zur AfD", sie gefällt auch den Männern in der Partei. Ebner-Steiner ist vom Typ Kumpel, mit ihr wird's nicht langweilig, sie beherrscht den lockeren Spruch, weshalb "ich immer Spaß mit den Männern habe". Petr Bystron, Ex-Landesvorsitzender, darf sie "Hasi" nennen. Mit Sexismus-Vorwürfen sei in der AfD auch wirklich nichts zu gewinnen, sagt sie. Für Höcke steht sie, was sonst, "wie eine deutsche Eiche" auf der Bühne.

Viel schwieriger findet Ebner-Steiner die Frauen. Solidarität? Unmöglich, "da duldet keine eine Göttin neben sich". Die erste Niederlage ihrer AfD-Karriere verdankt Ebner-Steiner einer 34-Jährigen ohne Kind, dafür mit Schäferhund - "ausgerechnet", wie sie sagt. Ohne die Straubingerin Corinna Miazga säße Ebner-Steiner heute wohl im Deutschen Bundestag: Sie hatte ihr den Listenplatz weggeschnappt. Höcke wusste eine Erklärung: Das sei eben Schicksal.

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