Populismus Das Gesicht des AfD-Erfolgs in Bayern

Katrin Ebner-Steiner ist die Spitzenfrau der AfD in Bayern. Sie lebt mit ihrer Familie in Niederbayern.

(Foto: Johannes Simon)

Katrin Ebner-Steiner hat in der AfD Karriere gemacht, heute ist sie stellvertretende Landesvorsitzende in Bayern. Allerdings hält sie nichts von Emanzipation. Ein Besuch.

Von Ulrike Schuster

An 20 Tischen im Wirtshaus sitzen Männer. Katrin Ebner-Steiner wählt den Tisch mit den fünf Frauen. Es gibt nur einen. Mitte Dezember, Ebner-Steiner feiert mit dem AfD-Kreisverband München-Süd Weihnachten. Eine Tisch-Frau will wissen, woher der Doppelname komme. Mit Emanzipation habe der nichts zu tun, versichert Ebner-Steiner, von der halte sie nichts, "hat ja nicht viel gebracht".

Die fünf Frauen atmen auf. Es sei ganz einfach: Steiner heiße der erste, Ebner der zweite Mann, mit jedem habe sie zwei Kinder. Am Nachbartisch steht ein Parteifreund auf, er dankt dem Wirt, dass er sie reingelassen hat. Danach singt eine Sopranistin das Schubert-Lied "Leise flehen meine Lieder", umgetextet für die AfD. Eine Zeile geht so: "Wir hören Volkes Schmerz." Zum Abschluss singen alle "Stille Nacht".

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Der 37-Jährige aus Nürnberg soll die Rechtspopulisten in die Landtagswahl führen. Der bayerischen Staatsregierung wirft er eine "asoziale Politik" vor.

Statt für Emanzipation, sagt Ebner-Steiner am Frauentisch, kämpfe sie für die Alleinverdienerehe. Sie selbst arbeitet seit zweieinhalb Jahren für die AfD, 60 Stunden die Woche. Verdient habe sie nichts, sagt sie, gekostet habe sie ihr Einsatz aber 60 000 Euro. Bezahlt hat das ihr Mann, der findet das gut: "Wir sind Überzeugungstäter", sagt er. Katrin Ebner-Steiner ist die Frau an der Spitze der bayerischen AfD, die erste Stellvertreterin des Landesvorsitzenden.

In ihrer Bewerbungsrede auf dem Landesparteitag im November wiederholte sie die zwei Sätze, die sie am Anfang jeder Rede ausspricht: "Ich bin Katrin Ebner-Steiner, 39, katholisch, verheiratet, vier Kinder, Bilanzbuchhalterin." Und: "Ich bin euer Stimmenbringer." Das ist nicht gelogen. Bei der Bundestagswahl holte sie in ihrem Wahlkreis zweimal das beste Ergebnis in Westdeutschland. 20 673 Menschen gaben Ebner-Steiner die Erststimme, das waren 17,3 Prozent; mit der zweiten wählten 19,2 Prozent die AfD. Seitdem gilt Deggendorf als die "AfD-Hochburg in Bayern" und Ebner-Steiner als das "Gesicht des Erfolgs", wie es im ZDF über sie hieß.

Ebner-Steiner ist anders als die AfD-Frontfrauen Frauke Petry, Alice Weidel oder Beatrix von Storch. Sie war keine Karrierefrau, die im Widerspruch zum Frauenbild der Männerpartei steht. Ebner-Steiner ist das personifizierte Frauenbild: Ehefrau, Hausfrau, Mutter. Im persönlichen Umgang kommt sie sympathisch rüber. Auf Facebook postet sie Fotos von Löwenkopf-Zwerghäschen, die "ab sofort ein neues Zuhause suchen". Drei Tage später fordert sie eine "Ausgangssperre für alle Asylunterkünfte in Bayern". Überhaupt die Flüchtlinge - ein Tsunami in ihren Augen. Ebner-Steiner bäckt drinnen Plätzchen, während draußen Einwanderer auf ihre schöne niederbayerische Heimat anstürmen. Ein typisches AfD-Bedrohungsszenario.