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Ärztetag:Widerstand gegen Spahn

Mediziner lehnen Pläne zur Reform der Notfallversorgung ab

Der Reformeifer von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird Bayerns Ärzteschaft auch auf dem 78. Bayerischen Ärztetag in München auf Trab halten - insbesondere, was dessen Pläne betrifft, die Notfallversorgung bundesweit auf neue Beine zu stellen. Was das anbelangt, hat Gerald Quitterer, der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, schon Widerstand angekündigt. "In Bayern funktioniert das System, da braucht es keine gesetzliche Neuregelung", ist Quitterer überzeugt. Im Freistaat gebe es 110 Bereitschaftspraxen an Kliniken. "Wir leben hier die sektorenverbindende Versorgung bereits", sagte er.

Entspannter ist da bei weitem das Verhältnis der Ärzteschaft zu Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), die am Freitag nach der offiziellen Eröffnung des Ärztetags das Wort ergriff. Ihre Grundbotschaft, die sich bereits vor der Rede abzeichnete, lautet: "Die ärztliche Versorgungslage in Bayern gibt derzeit ein positives, erfreuliches Bild ab." Bayern sei schon sehr früh aktiv geworden, dem Nachwuchsmangel in der Ärzteschaft entgegenzuwirken, betonte die Minister vor dem Start des Ärztetags in München. Diesem Ziel diene auch die neue Medizinische Fakultät in Augsburg "mit jährlich 252 zusätzlichen Studienplätzen".

Für den Ärztetag in München haben sich die 180 Delegierten selbst ein umfangreiches Arbeitsprogramm verordnet. Eines der vorrangigen Themen wird der Umgang mit der voranschreitenden Digitalisierung sein. Kammerpräsident Gerald Quitterers Losung dazu lautet, diesen Prozess "konstruktiv, aber auch kritisch" zu begleiten. Letzteres gelte insbesondere für die Bereiche "Video-Sprechstunde" und "Gesundheits-Apps, die schließlich sogar in eine Medikamenten-Empfehlung" mündeten. Quitterer wittert gefährliche Tendenzen: "Hier verlassen wir den geschützten Raum der Arzt-Patienten-Beziehung, den persönlichen Kontakt", sagte er vor Beginn des Ärztetags. Entscheiden sollen die Delegierten auch über Grundsatzfragen - Stichwort "Patientensicherheit vor ökonomischen Interessen".