bedeckt München 20°
vgwortpixel

Actionsport:Wenn sich Mountainbiker aus dem Nürnberger Rathausfenster stürzen

Red Bull District Ride 2014

Beim Rennen vor drei Jahren verfolgten gut 60 000 Menschen, wie der Belgier Thomas Genon auf dem Hauptmarkt in Richtung Ziel sprang.

(Foto: Marc Müller/dpa)
  • Seit 2005 findet in Nürnberg ein Wettbewerb von Mountainbikefahrern statt.
  • Über eine Strecke von 700 Metern geht es über einige Hindernisse mitten durch die Stadt.
  • Das Event hat auch Kritiker, da der Aufwand enorm hoch ist und es zu Beeinträchtigungen in der Innenstadt kommt.

Der Lärm von Hämmern und Akkuschraubern und der Geruch frischer Holzspäne liegen über der Nürnberger Altstadt. Auf dem Hauptmarkt schaufelt ein Bagger Erde auf eine meterhohe Konstruktion aus Holz. Vor der Rathausfassade steht schon die Rampe, über die sich die Mountainbikefahrer am Freitag und Samstag in die Tiefe stürzen werden. Nur 20 Sportler sind zum Wettbewerb zugelassen, doch der Aufwand, der betrieben wird, ist enorm. Die Veranstalter erwarten, dass an zwei Tagen insgesamt 80 000 Zuschauer nach Nürnberg kommen werden. Noch mehr sollen die Wettkämpfe im Internet oder im Fernsehen verfolgen.

Die Vorbereitungen haben schon in der vergangenen Woche begonnen. Von der Burg bis zum Hauptmarkt wird ein Parcours aus Rampen und Hindernissen entstehen. Los geht es auf dem Burgberg mit einem sechs Meter tiefen Fall. Wenn die Fahrer den ohne Sturz überstanden haben, fahren sie durch eine Steilkurve abwärts zum Dürer-Denkmal und weiter zur Kirche St. Sebald, immer wieder über meterhohe Konstruktionen aus Holz und Gerüststangen, auf denen sie Kunststückchen zeigen. Am Ende verschwinden die Sportler im Rathaus, nehmen den Aufzug in den vierten Stock und setzen über die 14 Meter hohe Rampe zum finalen Sprung an, der ebenfalls möglichst trickreich sein sollte.

Berge "You and your fucking hiking!"
Ausflug mit dem Mountainbike

"You and your fucking hiking!"

Bruchlandende Gleitschirmflieger, kraftlose Kletterer, streitende Paare: Wer in den Bergen unterwegs ist, wird Zeuge großer und kleiner Dramen am Wegesrand.   Kolumne von Sebastian Beck

Freeride Mountain Bike heißt diese Sportart. Weil sie jung, trendy und international ist, wird die Fahrt über die 700 Meter lange Strecke ride genannt, und die fünf Abschnitte, an denen die Fahrer mit ihren Tricks Punkte sammeln können, districts. Weshalb es sich also um einen "Red Bull District Ride" handelt, der da am Freitag und Samstag in Nürnberg ausgetragen wird, und das mittlerweile schon zum fünften Mal. Es ist die letzte Station einer Tour, die schon in Neuseeland, Frankreich, Österreich und Kanada Halt gemacht hat. Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 38 Jahre alt und kommen aus zehn verschiedenen Ländern.

Seit sich die Mountainbiker im Jahr 2005 zum ersten Mal von der Kaiserburg hinunterstürzten, gab es immer wieder Streit um diese Veranstaltung im Herzen der Stadt. Anwohner beklagten sich über die tagelange Beeinträchtigung, viele fürchteten, dass der Hauptplatz immer seltener als Marktplatz genutzt würde, weil mehr und mehr Großveranstaltungen genehmigt würden. Noch dazu solche, die sich - wie ein ebenfalls oft diskutiertes Beachvolleyballturnier - an ein völlig anderes Publikum richten als Weihnachtsmarkt oder Bardentreffen. Bislang ist es aber bei diesen beiden Sportevents geblieben.

Zweifel wurden auch darüber laut, ob die Stadt ihre gute Stube und sogar das Rathaus da für eine Riesenwerbeveranstaltung zur Verfügung stelle. Der Sponsor, der Red-Bull-Konzern des Österreichers Dieter Mateschitz, ist auf den Bildern mindestens so präsent wie die Nürnberger Sehenswürdigkeiten. Und die werden von den Veranstaltern gerne vereinnahmt. "Auf keinem anderen Event fahren die Athleten aus dem Fenster eines Rathauses", bewerben sie den Wettkampf. Nürnberg biete "mit der Altstadt eine traumhafte und einzigartige Kulisse" und einen "einzigartigen urbanen Freeride-Parcours".

Doch auch im Stadtrat und Stadtverwaltung ist eine Mehrheit davon überzeugt, dass Nürnberg profitiert, wenn coole Sportler ihre Salti vor der Frauenkirche machen. Sie erhoffen sich einen Imagegewinn bei einem jungen, internationalen Publikum. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) zählt sich persönlich nicht zur Zielgruppe des District Rides, ordnet deren Bedeutung aber folgendermaßen ein: "Das ist so was wie der Große Preis von Monaco für Downhill-Fahrer", sagt er. Es stehe außer Frage, dass es sich um eine außergewöhnliche Veranstaltung handle. Immerhin würden mehrere Zehntausend Menschen "fröhlich und friedlich beisammen sein".

Auch wenn der District Ride auf Kanälen gezeigt werde, die er selbst nicht regelmäßig einschalte und die Stadt die Effekte noch nicht empirisch auswerten ließ, sei doch klar, dass so eine Sportveranstaltung eine hohe Reichweite habe. Maly hält es auch für unproblematisch, dass die Stadt für die Mountainbiker ein Büro im Rathaus zur Verfügung stellt. "Wenn man's macht, dann unterstützt man das auch."

Leichtathletik Der richtige Lauf am falschen Ort

Leichtathletik

Der richtige Lauf am falschen Ort

Gesa Krause stürzte bei der Leichtathletik-WM unverschuldet im Finale der 3000 Meter Hindernis. Doch sie hat einen Weg gefunden, an der Niederlage zu wachsen - und läuft nun in Berlin deutschen Rekord.   Von Johannes Knuth

Das Nürnberger Mountainbike-Event wird am Samstag, 2. September ab 15.10 Uhr auf dem ARD-Digitalsender One übertragen und um 17.15 Uhr im BR-Fernsehen.