Abfall:Warum sich Altötting gegen Bio-Müll wehrt

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Herz-Urne Ludwig II.

Als letzter Landkreis wehrt sich Altötting gegen den extra Bio-Müll.

(Foto: dpa)

Der Landkreis pflegt ein bayernweites Alleinstellungsmerkmal: Der Bürger will partout keinen organischen Abfall sammeln und ihn auch nicht auf den Wertstoffhof bringen.

Kolumne von Matthias Köpf

Das mit der Lupe über der Karte in den Asterix-Heften ist natürlich geschickt. So kann keiner sagen, wo denn dieses gallische Dorf genau liegt, das dem Imperium so hartnäckig widersteht. Was sich sicher sagen lässt: Altötting ist es nicht. Aber Altötting ist ja auch eine Stadt oder in dem Fall ein ganzer Landkreis, der sich als allerletzter nicht fügt. Auch trägt Landrat Erwin Schneider keinen geflügelten Helm, obwohl ihm der womöglich ganz gut stünde. Ganz Bayern also? Nein! In Altötting sammeln sie partout keinen Biomüll, und vom Bürger auf den Wertstoffhof bringen lassen sie ihn sich auch nicht.

Das haben die Kreisräte gerade wieder bekräftigt, und auch Schneider lässt am Nein keinen Zweifel. Für ihn ist das Sammeln von Bio nicht öko, weder ökologisch noch ökonomisch. Dazu hat er Gutachten, wonach in seinem recht ländlichen Kreis viel privat kompostiert wird. Nur 15 Prozent allen Biomülls landeten im Restmüll, 200 Gramm pro Bürger und Woche, davon die Hälfte Lebensmittel in Originalverpackung.

Sammle man Bio von allen 100 000 Bürgern extra, käme demnach eine Menge zusammen, die dem Aufkommen von 100 zusätzlichen Bürgern entspricht. Dafür aber müssten dann alle zum Wertstoffhof oder, schlimmer noch, Müllautos durch den Kreis dieseln und braune Tonnen leeren. Nach der Vergärung lande die mitgesammelte Originalverpackung als Mikroplastik auf den Feldern.

Die Gegenposition vertritt die Regierung von Oberbayern im Auftrag der Staatsregierung, delegiert vom Bund auf Veranlassung der EU. Demnach sind auch Küchenabfälle getrennt zu erfassen, Gesetz ist Gesetz. Dem gallischen Landkreis droht eine Anordnung, gegen die er dann klagen könnte. Ob er das tun soll, weiß Schneider trotz einer gewissen flügelbehelmten Hingabe für das Thema aber nicht.

Denn er ist der Letzte. Viele Vorletzte haben - oft nur um des lieben Friedens mit ihrer Regierung willen - soeben Systeme eingeführt, bei denen die Bürger ihren Biomüll halt irgendwo abgeben können, und gut ist es. Wenn nun ein Gericht entscheidet, dass die Ökobilanz solcher Alibilösungen negativ ist, droht womöglich die braune Tonne für alle. Und Schneider wäre wirklich der Letzte, der daran schuld sein wollte.

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