Filmfestival OberaudorfDa ist Musik drin

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Die Trompeten von Gizeh: Auch Matthias Ditscherleins Film über Franz Himpsl und seine „Unterbiberger Hofmusik“ läuft bei den Musikfilmtagen Oberaudorf.
Die Trompeten von Gizeh: Auch Matthias Ditscherleins Film über Franz Himpsl und seine „Unterbiberger Hofmusik“ läuft bei den Musikfilmtagen Oberaudorf.
Kippelsteiner Filme

Mit den Alpen als Kulisse: Bei den 19. Musikfilmtagen Oberaudorf laufen wieder ganz unterschiedliche, aber allesamt sehenswerte Dokumentar- und Spielfilme.

Von Oliver Hochkeppel

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Der Kulturbetrieb hängt ja meist an einigen wenigen Menschen und ihren Ideen. Der Oberaudorfer Landwirt Benno Stigloher, Leiter der örtlichen Blasmusik, aber auch ein Film-Fan, hatte es satt, für Kulturgenuss immer weit fahren zu müssen. Und rannte vor 20 Jahren beim ebenfalls in Oberaudorf wohnenden BR-Filmredakteur Markus Aicher offene Türen ein. Schon lange wollte der am Ort etwas auf die Beine stellen, also gründeten die beiden gemeinsam die Oberaudorfer Musikfilmtage samt Förderverein.

Am 7. Juli startet die 19. Festival-Ausgabe mit der wunderbaren spanischen Tragikomödie „So klingt das Leben“ als Eröffnungsfilm. Ein kleines galizisches Fischerdorf versucht darin, nach einem tragischen Schiffsunglück wieder zur Normalität zurückzufinden – indem sie das traditionelle Musikensemble des Dorfes wieder aufleben lassen. Die Vorstellung findet wie 13 weitere im Kursaal statt. Vier Veranstaltungen laufen im Kloster Reisach, drei Filme werden open-air im Kurpark gezeigt (bei schlechtem Wetter im Kursaal). Denn ein Kino gibt es in Oberaudorf nicht.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sind die Musikfilmtage inzwischen ein überregional etabliertes Format. Eines, das bedeutende Partner gefunden hat, das Münchner Dok.fest zum Beispiel. Wer dort „Wacken – Hearts Full Of Metal“ und „Ensemble Modern – Why We Play“ verpasst hat, kann es hier nachholen. Und gleich am 8. Juli wird die im vergangenen Jahr gestartete Kooperation mit den Tiroler Festspielen Erl fortgesetzt, bei der Stummfilme live vertont werden. Diesmal steht im Festspielhaus Erl „Beggars Of Life“ aus dem Jahr 1928 auf dem Programm.  Die junge Frau, die im Mittelpunkt steht, und die sich auf der Flucht vor der Polizei als Mann verkleidet und sich einer Gruppe von Landstreichern anschließt, wird gespielt von Louise Brooks. Diese machte sich im Jahr darauf in Georg Wilhelm Pabsts „Die Büchse der Pandore“ unsterblich. Musikalisch begleitet wird der Film wie im vergangenen Jahr vom britischen Pianisten Neil Brand und dem Quartett The Dodge Brothers.

Michał Kwiecinski zeigt in „Chopin – Eine Sonate in Paris“ das zwischen Höhenflügen und tiefen Krisen pendelnde Leben des großen Komponisten – einschließlich seiner Liebesgeschichte mit George Sand.
Michał Kwiecinski zeigt in „Chopin – Eine Sonate in Paris“ das zwischen Höhenflügen und tiefen Krisen pendelnde Leben des großen Komponisten – einschließlich seiner Liebesgeschichte mit George Sand.
Neue Visionen

Am Donnerstag und Freitag, 9. und 10. Juli, beleuchten Dokumentarfilme völlig unterschiedliche Musiker-Karrieren: Amy Bergs „It's Never Over, Jeff Buckley“ zeichnet ein einfühlsames Porträt dieses rätselhaften Pop-Künstlers, der in den vier Jahren zwischen seinem Debütalbum 1994 und seinem Unfalltod 1997 Musikgeschichte schrieb. Tizza Covi und Rainer Frimmel setzen in „The Loneliest Man In Town“ den Wiener Bluesmusiker Al Cook – alias Alois Koch – ein kleines Denkmal. Matthias Ditschlein begleitet in „Über Unterbiberger“ Franz Himpsl und seine Familie, wie sie mit ihrer Unterbiberger Hofmusik auf musikalischen Weltreisen alle Grenzen der Volksmusik einreißen. Malcolm Venville schließlich erzählt in „Iron Maiden: Burning Ambition“, wie die britische Band in fünf Jahrzehnten zu einer Metal-Legende wurde. Und für den ursprünglich vorgesehenen Konzertfilm „Power To The People: John & Yoko Live In NYC“, der aus Lizenzgründen nicht gezeigt werden kann, kommt nun „The Rolling Stones: Live At The Max“ (gedreht bei der „Urban Jungle“-Tour 1990) ins Programm.

Mit Michał Kwiecinskis „Chopin – Eine Sonate in Paris“, Daniel Rohers „The Piano Tuner“ und Antoine Fuquas „Michael“ (gemeint ist Michael Jackson) dominiert großes Spielfilm-Kino den Samstag. Ganz vielfältig ist der Sonntag vollgepackt. Er beginnt beim Musikfilmtage-Frühschoppen mit einem Publikumsgespräch der Regisseurin Margarethe von Trotta und des langjährigen Leiters der Berliner Filmfestspiele Dieter Kosslick. Und hangelt sich über den Kinderfilm „Zirkuskind“ und sechs Kurzfilme bis zu Grant Gees brandneuem „Everybody Digs Bill Evans“, gezeigt in Kooperation mit dem Frankfurter Lichterfestival. Eine Sondervorführung von Paweł Pawlikowskis „Fatherland“ mit Sandra Hüller, einem preisgekrönten Highlight des diesjährigen Cannes Filmfestivals, beschließt die Musikfilmtage.

Anders Danielsen Lie spielt in „Everybody Digs Bill Evans“ den legendären Jazz-Pianisten in seiner größten Krise.
Anders Danielsen Lie spielt in „Everybody Digs Bill Evans“ den legendären Jazz-Pianisten in seiner größten Krise.
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Wie man am Programm sieht, geht es Aicher und seinem Team nicht um Premieren und Exklusivität, sondern um Qualität und Vielfalt. Auch das ist ein Grund für die besondere, familiäre Atmosphäre der Musikfilmtage. Neben der grandiosen Alpenkulisse natürlich, die vor oder nach dem Filmgenuss zum Erwandern und Verweilen einlädt.

19. Musikfilmtage Oberaudorf, Dienstag bis Sonntag, 7. bis 12. Juli, Oberaudorf und Erl

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