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Zum Tod von Saab:Das Besondere ist nicht mehr

Deine Krankheit kam schleichend, fast unbemerkt. Irgendwann übernahmen die Größenwahnsinnigen von General Motors die Verantwortung für Dein Wohl und Wehe - und fast sofort nistete sich der Infekt der Ideenlosigkeit ein, der im Laufe der Zeit zur alles beherrschenden Krankheit in Dir mutierte. Dass das nicht sofort erkannt wurde, lag an Deinen früheren Modellen, deren Komfort- und Technikerfolge lange Zeit alles überstrahlten.

Wie unter guter Schminke verbargst Du auch dank eines clever weiterentwickelten Designs lange Jahre, wie inhaltsleer Deine blecherne Hülle darunter geworden war. Werbe-Gurus, Chefredakteure und Architekten aber hielten Dir weiter die Treue.

Gerne hätte wir gesehen, dass Du Dich aufbäumst gegen die Krankheit - doch ein starkes Medikament in Form von intelligenter neuer Technik oder neuen Eigentümern war nicht zu haben. Was blieb, bis zum Schluss, sind Deine kleinen Gesten und Liebkosungen, an die wir uns immer gerne erinnern werden. An Dein nostalgisch verbrämtes Zündschloss zwischen den Vordersitzen, an Deine herrlich intelligent und sekundenschnell aufklappenden Becherhalter und an Dein Nightshift-Panel, mit dem Du nachts fast alle Lichter des Cockpits löschtest. Ein letzter Gruß an Deine Herkunft aus dem Flugzeugbau. Der Rest Deines einst herrlich gestalteten Autokörpers war da aber schon längst ausgehöhlt und bar jeder Kraft.

Es war schön, Dich gefahren zu haben. Friede Deines Blechs.