Zu modern für die Nachkriegszeit:Tuckers Traum

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Der Amerikaner Preston Tucker baute 1948 das erste wirklich fortschrittliche US-Auto der Nachkriegszeit, den Tucker Torpedo. Am Ende scheiterten der Mann und sein Auto grandios.

Von Jörg Reichle

Die Welt ist voller Geschichten von gescheiterten Träumen gescheiterter Männer. An sich wäre das Grund genug, diesen Preston Thomas Tucker, geboren am 21. September 1903 in Capac, Michigan, USA, gestorben am 26. Dezember 1956 in Ypsilanti, Michigan, USA, einfach zu vergessen. Wenn da nicht diese Autos wären, die seinen Namen tragen. Und weil sie so selten blieben und so schön und so elegant wie Flugzeuge waren, zahlen Sammler heute sehr viel Geld, um eine der 47 von 51 je gebauten Limousinen zu ergattern. Zuletzt, am vergangenen Wochenende, kam ein Tucker '48 auf einer Auktion in Amelia Island für mehr als 1,4 Millionen US-Dollar unter den Hammer. Vorbesitzer des Wagens mit der Seriennummer 1003: der Filmproduzent George Lucas ("Star Wars", "Indiana Jones").

Lucas verbindet seit langer Zeit eine ganz besondere Beziehung mit Tucker. Nicht nur, weil er 1988 einen Kinofilm über den Autopionier drehte. Tucker war in den ersten Nachkriegsjahren angetreten, den Amerikanern ihren ersten echten Traumwagen zu bauen - spektakulär, originell, nie da gewesen. Und das ganz allein gegen die Übermacht der großen Drei des US-Autobaus, Ford, GM und Chrysler - schwerfällig, saturiert und phantasielos. David gegen Goliath, ein Mann und seine Idee im Alleingang gegen die Arroganz und die Übermacht des Establishments, das ist der Stoff, von dem sich Filmemacher große Kasse versprechen. "Tucker - The Man and His Dream", hieß der Streifen dann, mit Jeff Bridges in der Hauptrolle. Regie führte Francis Ford Coppola, damals schon ein Gigant in Hollywood.

Keine Erfolgsgeschichte

Dass Preston Tucker am Ende keine Erfolgsgeschichte schrieb, liegt noch am wenigsten an den 51 Wagen, die zwischen Sommer 1947 und März 1949 im Werk in Chicago gebaut wurden. Dabei blieb nicht nur der erste, ein Prototyp mit Spitznamen Tin Goose (Blechgans), ein Einzelstück. Genau genommen war keines der Autos identisch mit dem anderen, laufend wurde verbessert, geändert, umgebaut und experimentiert. Dem Autodidakt und Car-Guy, wie man heute sagen würde, der schon mit 11 Jahren hinterm Steuer saß, fehlte es jedenfalls nicht an revolutionären Ideen. Vor allem in Sachen passive Sicherheit. Als erster Wagen überhaupt hatte der Tucker '48 Scheibenbremsen an allen vier Rädern - Jaguar brauchte dazu 14 Jahre länger -, Armaturenbrett und Lenkrad waren gepolstert, die Frontscheibe war so eingebaut, dass sie im Fall eines Aufpralls nach vorne herausfiel.

Bevor später die ersten Sicherheitsgurte Einzug hielten, hatte der Tucker '48 unterm Armaturenbrett einen speziellen Schutzraum, in den sich die Passagiere angesichts einer drohenden Kollision werfen sollten. Die Idee eines mitlenkenden Kurvenlichts - beim Tucker Zyklopenauge genannt - hatte Duesenberg zwar in den Dreißigerjahren schon vorweggenommen, unter den US-Autos der Nachkriegszeit war der zentrale Scheinwerfer aber eine Revolution. Dass Tucker für das Zyklopenauge eine schwarze Abdeckkappe mitlieferte, weil das Gesetz in 17 Bundesstaaten maximal zwei Frontscheinwerfer erlaubte, ist eine ganz andere Geschichte.

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Für das Zyklopenauge gab es eine schwarze Abdeckkappe.

Gegen die aufgepeppten Vorkriegshütten

Außergewöhnlich war auch das Design, das Alex Tremulis in nur sechs Tagen vollendete. Erst kurz vor dem Krieg hatte das Autodesign in den USA begonnen, sich als eigenständige Disziplin durchzusetzen. Die Autos selbst verkörperten da noch alle möglichen Spielarten der Stromlinienform, wobei der revolutionäre Cord 812 als leuchtendes Beispiel unerreicht blieb. Nach dem Krieg trumpften vor allem Kleinhersteller wie Studebaker, Nash - und eben Tucker - mit mutigen Ideen gegen die aufgepeppten Vorkriegshütten der Big Three auf, die mangels Metall teilweise sogar noch Holzaufbauten hatten. Der Tucker sieht dagegen heute noch aus wie von einem anderen Stern.

Angetrieben wurde der '48 mit dem populären Spitznamen Torpedo von einem 166 PS starken 5,5-Liter-SechszylinderBoxer, der ursprünglich aus einem Hubschrauber stammte, auf Wasserkühlung umgebaut und im Heck eingebaut war, die Kraftübertragung übernahm ein halbautomatisches Vorwählgetriebe aus dem Cord 812. Auch die Einzelradaufhängung gehörte zu den technischen Feinheiten, ebenso wie der Hilfsrahmen für den gesamten Antriebsstrang, der nur mit sechs Schrauben fixiert war und beim Service in Minuten demontiert werden konnte. Um die 3000 US-Dollar kostete ein Torpedo damals, heute geht keiner unter einer Million weg.

Warum scheiterte Preston Tucker?

Warum der Pionier Preston Thomas Tucker am Ende scheiterte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vielleicht war es tatsächlich die Anklage der Börsenaufsicht, die dem Selfmade-Mann Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem entwickelten Zubehörprogramm vorwarf und das Werk vorübergehend schloss. Zwar wurde Tucker später freigesprochen, doch der Konkurs im März 1949 war da schon unvermeidbar. Dass das Verfahren auf politischen Druck der Big Three überhaupt erst in Gang kam, darauf baute der Lucas-Film später seine Geschichte auf. Den Platzhirschen in Detroit war der kreative Nobody von Anfang an ein Dorn im Auge. Ein Auto, in dem man Sicherheitsgurte brauche, so lautete eine ihrer Verleumdungskampagnen, könne nicht sicher sein.

So oder so, Tucker war am Ende. Und, übrigens, auch der Film seiner Fans Lucas und Coppola wurde ein Flop. Der Traum blieb ein Traum, aber eben ein besonders schöner. Auch Sammler schätzen das.

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