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Zeitmaschinen (3): Mazda MX-5:Pflaume mit Tee

Ein Nerv war getroffen. 1989 entfachte der kleine Roadster eine nicht gekannte Hysterie unter Autokäufern, Early Adopters boten hohe Extrasummen für Grauimporte.

Die Produktionszahlen des vermeintlichen Nischenproduktes waren auf den kalifornischen Markt zugeschnitten, man hatte die Notlage in Europa völlig unterschätzt. Was tun? Wir fuhren zu Mazda nach Hiroshima und tranken Tee mit dem Chefdesigner.

Zeitmaschinen (3): Mazda MX-5

Die neue Einfachheit

Wir hatten ja nichts anzuziehen für die Ferien. Die Autorevue feierte mit fröhlicher Hartnäckigkeit Sommer für Sommer den Alfa Spider, selbst als er gerade in seine dritte Generation abgesackt war mit der euphemistischen Werksbezeichnung Aerodinamica - weniger Wohlmeinende nannten ihn nur Gummilippe wegen des Heckspoilerwahnsinns, der einem das ganze Auto vergällen konnte. Ein typischer Sieg von Marketingleuten über den freien Willen der wahren Liebhaber. Wie sollte das weitergehen?

Die Nachricht traf uns schlagartig. Der MX-5 (Eunos in Japan oder Miata, wie er für den US-Markt genannt wurde) war so einsichtig, klar und selbsterklärend, dass es eigentlich keiner weiteren Worte bedurft hätte außer: "Warum erst jetzt? Und warum ausgerechnet Mazda?"

Das war doch wirklich seltsam: All die präsumtiven Sportwagenbauer waren völlig in die Defensive gegangen, es gab ausgewiesene Exoten wie den MG F oder den überteuerten, mit einem Isuzu-Turbomotor frontgetriebenen Lotus Elan M100. Alle setzten auf GTI-Ware und gedachten damit der Sportlichkeit Genüge getan.

Und jetzt Mazda. Wir machten uns sofort auf nach Hiroshima (dem Sitz der Mazda-Zentrale) und zum berühmten Myoshi Proving Ground, wo Mazda alle Modelle in zermürbender Fahrpraxis testete. Die Besonderheit des Proving Ground war seine Oberflächengestaltung: Die gesamte Strecke war durchsetzt von Asphalten und Pflasterungen der ganzen Welt. Es gab New Yorker Schlaglöcher, belgisches Rutschpflaster (gelb), österreichische Serpentinen und Katzenkopf vom Feinsten.

Es war ein Jetlag frühmorgens, der Nebel hing gespenstisch über der Strecke, und dann und wann humpelte ein Mazda 323 oder ein 121 der ersten Generation vorüber. Sonst war ich völlig allein, und ich musste KEINEN Sturzhelm tragen. Ich hatte einen sensiblen Zahn, und das Pflastergerüttel half ihm, mich wachzuhalten.

Herr Kimura, dem ich zugeteilt war, stand besorgt, wie nur Japaner besorgt sein können, und wartete Runde für Runde auf meine gesunde Wiederkunft. Meinen ersten Dreher absolvierte ich vorsorglich im belgischen Bereich, den er nicht einsehen konnte.

20 Jahre Mazda MX-5

Jinba Ittai forever