Weltweite Entwicklung in der Autobranche Forschen rund um die Uhr

Im Entwicklungszentrum in Sunnyvale im kalifornischen Silicon Valley forscht Mercedes an neuen Technologien.

Die Autobranche forscht und entwickelt heutzutage in einem schnelleren Tempo als jemals zuvor. Weil Stillstand zwangsläufig Rückschritt bedeutet, tüfteln die Hersteller weltweit und rund um die Uhr an neuen Fahrzeugen. Mercedes treibt dieses Phänomen auf die Spitze.

Von Wolfgang Gomoll

Das Silicon Valley: Der Landstrich in Kalifornien ist einer der wichtigsten Standorte, wenn es um Technologie-Innovation geht. Jeder, der etwas auf sich hält, kreiert hier neue Produkte: von Apple über Google und Hewlett-Packard bis hin zu Ebay. Natürlich lassen sich auch deutsche Autobauer in der Region nahe San Francisco nieder. Jüngstes Beispiel: Mercedes. Die Schwaben haben nun in Sunnyvale ein weiteres Entwicklungszentrum eröffnet. Der Umzug vom nahe gelegenen Palo Alto, wo sie seit 20 Jahren ansässig waren, wurde notwendig, da Mercedes seine Kapazitäten in den nächsten Jahren verdoppeln will. Dann sollen 200 Experten unter anderem an neuen Bedienkonzepten und dem autonomen Fahren tüfteln.

Eine der zentralen Fragen lautet derzeit, welche Apps die Kunden in ihren Autos wirklich wollen und wie diese in das Mercedes-Bedienkonzept ("Comand System") eingebunden werden können. Da Mercedes, anders als zum Beispiel BMW, das Smartphone des Fahrers als Hauptbestandteil des Comand-Systems nutzt, steht die Integration des intelligenten Mobiltelefons ganz oben auf der Liste. Da kommt es Mercedes gelegen, dass Apple und Google gleich um die Ecke sitzen.

Weltumfassendes Forschungsnetzwerk

Der Außenposten im sonnigen Westen der USA ist allerdings nur ein Teil eines weltumfassenden Forschungsnetzwerkes. In zehn Ländern an 22 Standorten arbeiten rund 22.000 Mitarbeiter an neuen Produkten, unter anderem in Vancouver, Arjeplog (Nordschweden) und Kawasaki. Ein Prinzip, dass alle großen Autofirmen praktizieren.

In ein paar Jahren sollen 200 Experten im neuen Mercedes-Forschungszentrum im Silicon Valley an neuen Lösungen tüfteln.

(Foto: WGO)

Mit dieser Internationalisierung sollen die Entwicklungszeiten verkürzt werden sowie neue Ingenieure, Designer und Techniker sehr schnell und dauerhaft an den jeweiligen Hersteller gebunden werden. Dieser "Kampf um Talente" tobt vor allem in den Wachstumsmärkten wie China oder Indien. Gut ausgebildeter Nachwuchs ist in der Automobilbranche besonders gefragt, denn wer innovativ sein will, braucht die klügsten Köpfe in seinen Reihen.

Neben der globalen Forschung rückt die Anpassung von Automobilen an die jeweiligen Gepflogenheiten in den Fokus der Autohersteller. So sind in Asien andere Apps und soziale Netzwerke gefragt als in Europa oder den USA. Die Amerikaner mögen ihre Fahrwerke zudem einen Tick weicher und komfortabler als die Europäer - eine eigens abgestimmte Variante ist oft die Folge. Und die Chinesen stehen auf Prunk und Größe, weshalb Langversionen deutscher Mittelklasselimousinen dort nicht nur angeboten, sondern auch entwickelt und produziert werden.

Klare Aufgabenverteilung in den USA

Jenseits des Atlantiks sind die Schwaben in drei Bundesstaaten vertreten: Kalifornien, Michigan und New Jersey. Die Aufgaben in dem Entwicklungsverbund sind klar aufgeteilt. Im Silicon Valley geht es vor allem um Innovationen, neue Bedienelemente sowie die Exterieur-Formensprache. Michigan ist vor allem für die Bereiche E-Mobilität und Antriebsstrang verantwortlich, während sich die Ingenieure in New Jersey vornehmlich um weitere technische Innovationen kümmern.

Ähnlich wie in Nordamerika läuft es bei Mercedes auch global gesehen. In jeder wichtigen Region hat der Autobauer Kompetenzzentren errichtet. Schwerpunkte setzt das Unternehmen dabei in den USA (Digital Life und Design sowie regionale Erprobung und Antriebstrang-Entwicklung), Indien (weltweite Daimler-Entwicklung und IT mit Schwerpunkt auf der digitalen Produktentwicklung) und China (Kompetenzzentrum für China-spezifische Marktanforderungen und Produktionsbegleitung). So stellt Mercedes sicher, rund um die Uhr an der Zukunft des Automobils forschen zu können. Im Daimler-Reich geht die Sonne also - zumindest in dieser Hinsicht - nie unter.