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Weltspiegel (31): Neue Pioniere in den USA:Unabhängig vom Öl

Sie fahren Elektroautos, konstruieren Plug-in-Hybride oder betreiben Autos mit altem Frittenfett. Immer mehr Amerikaner wollen mit Eigeninitiative der Abhängigkeit vom Öl entfliehen.

Die Redaktion von sueddeutsche.de sieht sich um - im "Weltspiegel" : Welche Autos fahren die anderen? Wie reagieren andere Länder und Hersteller auf den Klimawandel? Wer steigt auf alternativ angetriebene Fahrzeuge um?

Marc Gellers Haus sieht genau so aus wie tausend andere in der Altstadt von San Francisco: Ein schmales Holzgebäude, dicht gedrängt neben anderen, an einem steilem Sträßchen mit winzigen Gärten. Jeden Moment könnten Karl Malden und Michael Douglas mit ihrem dicken Ford LTD um die Ecke biegen, um in der Fernsehserie "Die Straßen von San Francisco" Verbrecher zu jagen. Doch das kleine SUV, das da in der engen Auffahrt vor der kleinen Garage steht, ist das Gegenteil des klassischen Ami-Schlittens mit V8-Motor: Der elektrische Toyota RAV4 hängt gerade an der Steckdose.

Über eine steile Treppe gelangt man zu Marcs Haustür. Im Erkerfenster hängt ein Plakat mit dem Konterfei von US-Präsident Obama, darunter nur ein Wort: Hoffnung. Marc öffnet die Tür und wedelt mit einem Autoschlüssel in der Hand: "Let's go." Sein Toyota RAV4 EV ist eines von rund 1500 Fahrzeugen, die von 1998 bis 2003 gebaut wurden. Weil sich der Stromer nur 300 Mal pro Jahr verkaufte, wurde er wieder eingestellt. 2012 allerdings will Toyota wieder einen elektrischen RAV4 auf den Markt bringen und hat sich dazu Hilfe bei Tesla geholt.

Marc steuert seinen Stromer lautlos durch die Straßen von San Francisco, vorbei an historischen Straßenbahnen. Das Auto hat fast 123.000 Kilometer auf dem Tacho, und das alles mit dem ersten Akkupaket, wie der Berater für Solaranlagen stolz betont. Mit seinen Nickel-Metallhydridbatterien kommt der RAV4 rund 150 Kilometer weit.

"Ich fahre selten längere Strecken, daher genügt mir die Reichweite fast immer", sagt Marc. Eine Ladung an der heimischen Steckdose dauert fünf Stunden. Weil der Elektro-Fan aus San Francisco seine eigene Solaranlage auf dem Dach hat, zahlt er beim Tanken nicht einmal die Stromkosten.

Während der Wagen durch die steilen Straßen surrt, macht Marc seinen Standpunkt klar: "Im Gegensatz zur Ölindustrie ist die Verteilung von Elektrizität reguliert, sie ist keinen wilden Preisschwankungen unterworfen2, so der Stromer-Pilot. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist für ihn nur das Tüpfelchen auf dem i einer verfehlten Entwicklung. "Für die militärischen und diplomatischen Ressourcen, die man für den Zugang zum Öl braucht, zahlen wir zwar nicht an der Zapfsäule", meint Marc, "doch Öl bestimmt unsere internationalen Beziehungen und die Prioritäten der nationalen Sicherheit. Wir zahlen mit Blut und Steuern."