Weltspiegel (25): Mercury Grand Marquis:Franko-Amerikaner

Der Grand Marquis stammt aus der Ära, als die großen Drei der US-Autoindustrie den Markt noch unter sich aufteilten. Heute hat er eine ebenso betagte wie treue Kundschaft.

Stefan Grundhoff

Die Redaktion von sueddeutsche.de sieht sich um - im "Weltspiegel": Welche Autos fahren die anderen? Wie reagieren andere Länder und Hersteller auf den Klimawandel und die Krise? Wer steigt auf alternativ angetriebene Fahrzeuge um?

Weltspiegel (25): Mercury Grand Marquis: Betagte Technik, dennoch beliebt: Mercury Grand Marquis

Betagte Technik, dennoch beliebt: Mercury Grand Marquis

(Foto: Foto: Pressinform)

Wer sich einmal einen Grand Marquis gekauft hat, wechselt niemals wieder zu einem anderen Modell. Dessen kann sich jeder Mercury-Verkäufer gewiss sein. Und so werden die zumeist überaus betagten Autointeressenten seit Jahr und Tag in den wenig charismatischen Verkaufsräumen auch mit Samthandschuhen angefasst. Der Mercury Grand Marquis gehört zum amerikanischen Automobilmarkt wie Corvette, Ford Mustang und Lincoln Towncar. Mit der Oberklasselimousine aus dem Ford-Konzern teilt sich der Grand Marquis eine Plattform. Und die wurde seit den achtziger Jahren kaum nennenswert verändert. Die letzte nennenswerte Modellpflege gab es vor mehr als zwölf Jahren.

Der Mercury Grand Marquis fällt in erster Linie durch seinen ungewöhnlichen und alles andere amerikanischen Namen auf. Geht es nach europäischen Maßstäben, lässt der französisch angehauchte Oberklasseanspruch der groß dimensionierten US-Limousine viele Wünsche offen. So verfügt der Mercury zwar über elektrische Ledersitze, Klimaautomatik und ein üppiges Raumangebot; doch das war es auch schon. In der kurzen Liste der Sonderausstattungen stehen kaum mehr als eine Handvoll Details. Neben der Farbe kann der Kunde allenfalls zwischen zwei Alufelgen wählen, das zehn Dollar teure Raucherpaket abbestellen und sich für eines der beiden alles andere als zeitgemäßen Radiosystemen entscheiden. So leicht wie beim Grand Marquis hat der Kunde es sonst nicht. Genau das lieben sie aber scheinbar.

Damit ist der über fünf Meter lange Amerikaner auf dem gleichen Ausstattungsniveau wie in den späten 80er Jahren. Ergänzend gibt es allein zwei Frontairbags. Sämtliche Sicherheitsentwicklungen und Komfortdetails der letzten zwei Dekaden sind an ihm nahezu spurlos vorbeigegangen. Beheizte oder belüftete Sitze, Kopfstützen hinten oder Navigationssystem und Xenonlicht sind für den Marquis-Inhaber kaum mehr als Märchen aus dem Morgenland. Das Uralt-Radio könnte auch aus einem New-York-Taxi der frühen achtziger Jahre stammen und die noch ältere Viergangautomatik wird über einen mächtigen Lenkstockhebel in die rechte Fahrstufe gebracht.

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