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Weltspiegel (21): Elektrotrend in Asien:China unter Strom

Bislang sind die Träume der chinesischen Autobauer, mit ihren Produkten erfolgreich auf den Märkten dieser Welt mitzufahren, zerplatzt. Jetzt versucht man's elektrisch.

In naher Zukunft wollen sich die chinesischen Automobilhersteller bei der Produktion von Hybrid- und Elektroautos an die Weltspitze setzen. Schon 2011 sollen im Reich der Mitte 500.000 Fahrzeuge mit den alternativen Antriebstechnologien von den Bändern rollen. Noch halten die Japaner weltweit die Marktführerschaft, wenn es um Autos geht, die durch eine Kombination von Otto- und Elektromotor angetrieben werden. Toyota hat mit seinem Hybrid Prius das Tempo vorgegeben, Honda behauptet seine Marktanteile mit dem Civic Hybrid und hat nun auch den Insight, einen erschwinglichen "Volkshybrid", nachgeschoben.

E-CAR-4; Pressinform

Das E-CAR-4 von Zhe Jiang ist knapp drei Meter lang, 790 kg schwer und fährt maximal 65 km/h.

(Foto: Foto: Pressinform)

Alternative Hoffnungsträger

Deutschlands Autobauer - durch politisch verordnete Emissionsbegrenzungen unter Druck geraten - haben inzwischen auch einige Modelle, vor allem solche aus der verbrauchsintensiveren SUV-Klasse, mit Doppelherztechnik an den Start gebracht. Die großen Drei aus Detroit haben auch den Hybrid- und Elektrotrend fast völlig verschlafen und kämpfen nicht zuletzt wegen mangelnder Innovationsschübe in Sachen Emissionsreduktion derzeit ums Überleben. Der GM-Konzern hat zumindest einen alternativen Hoffnungsträger - seinen Chevrolet Volt, einen reinen Stromer, der im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll.

Die Chinesen haben unterdessen die weltweiten Entwicklungen genau im Blick und geben sich optimistisch. In naher Zukunft sollen die rund 80 Autoproduzenten des Riesenreiches mit alternativ angetriebenen Autos die Weltspitze erobern. Bis Ende 2011 sei eine Steigerung der Produktion auf 500.000 Hybrid- und Elektrofahrzeugen geplant, berichtet die New York Times unter Berufung auf chinesische Regierungskreise.

Ehrgeziges Ziel

Das Ziel erscheint umso ehrgeiziger wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr gerade mal 2100 Fahrzeuge mit entsprechender Technologie unterm Blech von den chinesischen Montagebändern rollten. In den USA, wo jetzt eine kräftige Finanzspritze in Höhe von 25 Milliarden Dollar für die Entwicklung der Elektro-Power-Cars bereit gestellt wird, halten Experten im gleichen Zeitraum immerhin eine Steigerung der Jahresproduktion auf 267.000 alternativ angetriebenen Fahrzeuge für machbar. Warum sollte China mit seinem enormen Reservoir an findigen Ingenieuren da nicht das Doppelte schaffen?

Dafür, dass China jetzt so vehement auf Hybridtechnik und reine Stromer setzt, gibt es verschiedenen Gründe. Zum einen hinkt die chinesische Industrie bei der Entwicklung sparsamer Benziner der Konkurrenz etwa aus Japan und Deutschland weit hinterher. Dieses Feld überlassen die chinesischen Ingenieure jetzt offenbar den anderen - und konzentrieren sich auf das, was die Automärkte von morgen verlangen werden. Aber ein Ausbau der chinesischen Elektroflotte würde nicht nur für ein blühendes Exportgeschäft sorgen. Es würde die aufstrebende Autonation auch aus einer doppelten Abhängigkeit befreien. Denn Erdöl bezieht auch China aus der arabischen Welt und die Schifffahrtsrouten vom Nahen Osten ins Reich der Mitte werden von den USA kontrolliert.

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