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Weinsberg CaraHome 600 DKG:Wohnmobil-Test in 9,5 Thesen

Im Lutherjahr unterwegs auf den Spuren des Reformators - im Wohnmobil durch Thüringen und Sachsen-Anhalt.

(Foto: Lars Langenau)

Das Zuhause immer dabei? Klingt ideal, gerade beim Urlaub mit Kindern. Wir haben es ausprobiert - bei einer Kultur- und Bildungsreise auf den Lebenswegen des Reformators Martin Luther.

Viele Jahre hegte ich die romantische Vorstellung, mit Kind und Kegel in einem Reisemobil durch die Gegend zu fahren. Gern einmal quer durch die USA, von hier bis zum Nordkap oder einfach mal rüber nach Italien. Nie ist etwas daraus geworden. Im Lutherjahr 2017, in dem der 500. Jahrestag der Reformation ansteht, wage ich einen neuen Anlauf. Statt hochambitionierter Fernziele steuere ich für zwei Wochen den Osten Deutschlands an und begebe mich mit meiner Familie auf die Lebenswege Martin Luthers. Dafür nehmen wir ein Alkoven-Reisemobil. Also so ein Ding, in dem man über der Fahrerkabine schlafen kann. Genauer: einen mindestens 46 890 Euro teuren Weinsberg CaraHome 600 DKG.

Unsere Tour sieht so aus: München - Coburg - Schmalkalden - Mühlhausen - Bad Frankenhausen - Weimar - Leipzig - Torgau - Wittenberg - Eisleben - Eisenach - Fulda - München.

Reisemobil im Test

Weinsberg CaraHome 600 DKG in Bildern

Bereits auf halbem Weg von München aus befindet sich mit der Moritzkirche in Coburg ein erster Höhepunkt. Darin steht ein toller Altar und auch Luther predigte hier. Wir besuchen die Thomas-Müntzer-Stadt Mühlhausen, die nahe am geografischen Mittelpunkt Deutschlands gelegen ist. Müntzer war Zeitgenosse und Widersacher Luthers und zog mit 6000 Mitstreitern in den Bauernkrieg, der in der Schlacht von Frankenhausen sein blutiges Ende fand. Die Kleinstadt in Thüringen bietet nicht nur ein unglaublich beeindruckendes Schlacht-Gemälde im Panoramaformat, eine Therme, das Kyffhäuser-Denkmal und die "Barbarossahöhle", sondern auch einen schiefen Turm, der noch schiefer sein soll als der in Pisa. Danach geht es nach Torgau mit dem Schloss Hartenfels, das ein Zentrum der Reformation und Sterbeort von Luthers Frau Katharina von Bora war. Absolutes Highlight der Fahrt ist später die Wartburg, die hoch über Eisenach thront.

Ein wunderbarer Trip, der sich nicht nur im Lutherjahr lohnt. Und der als Inspiration dient, die Erfahrungen der Wohnmobil-Tour in 9,5 statt 95 Thesen aufzuführen, wie sie einst Luther in Wittenberg an die Kirchentür hämmerte.

Wie fährt sich das Wohnmobil?

1. Der Weinsberg mag als kompaktes Wohnmobil gelten, ist aber trotzdem fast 6,50 Meter lang und 2,30 Meter breit. Sein Gesamtgewicht liegt unter der 3,5-Tonnen-Grenze, deshalb ist der CaraHome 600 DKG für jeden fahrbar, der einen normalen Pkw-Führerschein hat. Nachdem sich der Fahrer an die ungewöhnlichen Maße und die hohe Sitzposition gewöhnt hat, fühlt er sich wie ein Trucker, der die Landstraße beherrscht. Bis 120 km/h fährt sich das Campingmobil gut und sicher. Bei höherem Tempo wird die Lenkung schwammig und der Aufbau beginnt zu schwanken. Außerdem kam es uns bereits nach fünf Tagen so vor, als ziehe es im Fahrtwind durch alle Löcher - vor allem oberhalb von 90 km/h. Dabei gewährt der Hersteller eine Dichtheitsgarantie von fünf Jahren.

2. Das Navigationsgerät von Pioneer ist eine Katastrophe. Wir haben es mehrfach nicht geschafft, das Ziel einzugeben. Man wisse von dem Problem und habe in den neuen Fahrzeugen eine andere Version installiert, kommentiert später der Weinsberg-Pressesprecher. Die Kinder bemängeln, dass es doof ist, wenn die eingelegte Hörspiel-CD weiterläuft und sich die Stimme des Navis darüberlegt. Wenn man es mal hinbekommen hat, den Lautsprecher-Sound von der Fahrer- in Richtung Wohnkabine zu verstellen, klingen die Boxen ganz gut - zumindest bis zu einem Tempo von 90 km/h.

3. Die Sitze für den Fahrer und den Beifahr sind selbst bei langen Fahrten bequem. Sie sind auch für das Abendvergnügen hilfreich, weil sie sich direkt ins Wohnzimmer drehen lassen. Auch die Sitzbank im hinteren Teil des Wohnmobils ist sowohl beim Fahren als auch zum Essen gemütlich. Der dort angebrachte Anschnallgurt ist jedoch zu kurz und schneidet ins Fleisch (bei Kindern in den Hals, bei Dicken in den Bauch). Kinder empfinden es zudem als großartig, dass sie hinten während der Fahrt malen und lesen können. Allerdings garantiert Rückwärtssitzen beim Fahren Übelkeit.

4. Es ist herrlich, wie ein Einsiedlerkrebs oder eine Schildkröte sein Haus immer dabei zu haben. So sind wir völlig flexibel in der Zeit- und Ortswahl und Vorbuchungen in Hotels oder Pensionen entfallen. Statt des Zimmerschlüssels sucht man jetzt aber ständig die Autoschlüssel. Es gibt einen für die Zentralverriegelung des Fahrerhauses, der andere ist für die Schlösser am Anbau. Dessen Türen sind nicht leicht zu öffnen und zu schließen, weshalb das minderwertig wirkt.