Walter de'Silva, VW-Chefdesigner "Design entsteht ohne Marketing"

Audi A4 Allroad quattro

Der kleinere Bruder

W&V: Welche Rolle spielt dabei künftig das Akustik-Design? Schließlich machen Elektromotoren kaum Geräusche, sie jaulen nicht, sie dröhnen nicht, sie röhren nicht.

de'Silva: Wir werden entsprechende Akustik-Elemente einführen müssen. Auch beim Computer oder am Telefon wollen wir immer ein Akustik-Feedback von der Tastatur haben. Das gehört zu unseren fünf Sinnen, zur Ergonomie. Dieses physikalische Feedback muss ein Produkt geben.

W&V: Werden die Formen eines Autos mit Elektroantrieb weicher, freundlicher aussehen müssen, um zu zeigen, dass es umweltfreundlicher ist - damit es sich besser verkauft?

de'Silva: Ich arbeite seit 38 Jahren im Design. Mindestens 25 Jahre davon arbeite ich mit dem Marketing zusammen. Das Marketing macht seine Arbeit, ich mache meine Arbeit. Aber das Design eines Fahrzeugs entsteht ohne das Marketing.

W&V: Aber Design muss auch verkaufen. Gibt es keinen Austausch zwischen Marketing und Design?

de'Silva: Doch, natürlich. Jeden Tag sogar. Wir stehen nicht in Opposition zueinander.

W&V: Also ist Design auch wichtiger als Werbung, weil es die Voraussetzung dafür bietet?

de'Silva: Natürlich! Wenn das Produkt ein Design-Produkt ist, also wenn Funktionalität, Qualität und Ästhetik richtig vereint sind, ist Werbung ein Zusatz. Aber Werbung kann den Erfolg eines guten Designs durch kreative Kommunikation steigern. Wenn ich hingegen eine Dienstleistung bewerbe, dann ist die Werbung wichtiger als das Produkt. Aber ich kann Werbung machen, so viel ich will für eine - sagen wir - Armbanduhr. Wenn das Produkt nicht entsprechend stimmt, verkauft sie sich nicht. Rolex ist nicht deshalb erfolgreich, weil die Werbung gut ist.

W&V: Es gibt demnach keinerlei Spannungen zwischen dem Design und dem Marketing?

de'Silva: Wir sind ein Team. Das Design wird respektiert, denn es gehört zu den Gewinner-Faktoren für das gesamte Unternehmen. Der Audi A5 wurde nicht vom Marketing, sondern von Walter de'Silva und seinem Team designt. Ich musste einen Granturismo schaffen. Das war der Ausgangspunkt. Mehr brauche ich nicht.

W&V: Neue Modelle entstehen aus Plattformen heraus. Sind Plattformen aus der Sicht des Designers hilfreich oder lästig?

de'Silva: Wir arbeiten nicht mehr einfach nur mit Plattformen. Unsere Ingenieure haben ein modulares System möglich gemacht. Das ist sehr hilfreich. Wir können damit verschiedene Komponenten zusammenfügen, als würden wir mit einem Lego-Baukasten arbeiten. Das erlaubt es uns, sehr viel mehr Modelle als bisher zu formulieren und zu analysieren.

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