VW Käfer CabrioSeele statt Servolenkung

1980 rollte das letzte offizielle Käfer Cabriolet vom Band. Von seiner Faszination hat der offene Klassiker von VW seitdem nichts eingebüßt. Eine Ausfahrt im letzten Exemplar, das gefertigt wurde.

Von Wolfgang Gomoll, Nizza

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10. Januar 1980: Um 10.30 Uhr rollt das letzte offizielle Käfer Cabriolet vom Band. Doch von seiner Faszination hat der offene Klassiker von VW auch im Jahr 2013 nichts eingebüßt. Eine Ausfahrt im letzten Exemplar, das gefertigt wurde. Der Anblick eines 33 Jahre alten Käfer Cabriolets zaubert ein Lächeln auf die Lippen, egal ob dem Fahrer oder den übrigen Verkehrsteilnehmern. Das nennt man wohl Sympathiebonus.

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Ältere Menschen bleiben stehen und berichten von ihren Erlebnissen mit dem offenen Dauerläufer. Am Käfer hängen Erinnerungen. Damals, als das rollende Ei noch als Inbegriff des Wirtschaftswunders und des wachsenden Wohlstandes galt. Damals, als Autofahren noch Genuss an der Freiheit war.

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Das Lächeln verschwindet auch nicht, obwohl das Fahrgefühl am besten mit den Worten puristisch und archaisch beschrieben werden kann. Genau das macht den Reiz im Jahr 2013 aus. Die Sitzposition ist hoch, Seitenhalt auf dem Gestühl ein Fremdwort, die Schaltwege des Viergang-Getriebes sind lang und beim Lenken ist man vor allem auf eine funktionierende Armmuskulatur angewiesen.

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Eine Servo-Unterstützung ist nicht vorhanden. Die Bremsen kommen ebenfalls ohne jegliche elektronische Hilfe aus. Wie schnell der Wagen steht, bestimmt alleine der Trainingszustand der Beinmuskulatur.

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Kurz: Alles was man von einem modernen Auto erwartet, ist nicht vorhanden. Das gilt auch für das rudimentäre Cockpit mit dem versteckten Lichtschalter, den spiegelnden Rundinstrumenten und dem freiliegenden Sicherungskasten.

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Im Käfer ist Rückschritt Genuss. Schon nach ein paar Metern hat man die fehlende Technik vergessen. Rollt dahin, schaut durch die viel zu steil stehende Frontscheibe, genießt den Wind, der ab 100 Km/h die Kopfhaut nachdrücklich massiert.

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Geschwindigkeit wird zur Nebensache. Das rote Cabrio schlängelt sich über kurvige Straßen. Zeit? Uninteressant.

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50 PS sind für das 966 Kilogramm leichte Auto genug. Im Heck rasselt, klingelt und schnauft der Boxer-Motor mit 1,6 Litern Hubraum. So eine Geräuschkulisse kann süchtig machen.

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Die Produktionsziffer des gefahrenen VW Käfer Cabrio lautet: 330.281. Dieser offene Käfer ist der letzte seiner Art und 1980 bei Karmann in Osnabrück vom Band lief. Insgesamt wurden zwischen 1949 und 1980 genau 330.281 Modelle des Käfer-Cabrios produziert.

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Zwar gab es einige andere Cabrio-Umbauten, bei denen die in Mexiko produzierten Käfer mit Stahldach einfach aufgeschnitten wurden, doch der offizielle Oben-ohne-Käfer wurde nur bei Karmann gefertigt. Am 10. Januar 1980 lief das letzte Exemplar in Osnabrück vom Band. Nun sind wir mit ihm unterwegs.

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Die Faszination des offenen Käfers verschwand jedoch nicht mit dem Produktionsende: Prominente wie der Fußballer Jürgen Klinsmann (im Bild) und der US-Schauspieler Paul Newmann erlagen den Charme des Käfers. Eine Sonderedition des Käfer Cabrios gab es auch zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Die grün lackierten Modelle mit schwarzer Motorhaube sind heute begehrte Sammlerstücke.

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Eine Reanimation des charmanten Klassikers scheiterte 1994: Einige Käfer-Cabrio-Fans wollten den VW Vorstand von einer Neuauflage auf Basis des Golf II überzeugen - ohne Erfolg. 2003 erschien das New Beetle Cabrio als offizieller Nachfolger. Der Geist des Originals jedoch bleibt unerreicht. Die Reisekosten für die Ausfahrt mit dem VW Käfer Cabriolet wurden teilweise vom Hersteller übernommen.

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