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Premiere VW Golf 8:Wird der Golf von der Ikone zum Auslaufmodell?

Bei der Vorstellung des Golf 8 merkt man die Anspannung im Konzern. Das meistverkaufte VW-Modell will nicht so recht in die Elektrozukunft passen.

Von Christina Kunkel, Wolfsburg

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VW Golf 8

Quelle: Volkswagen AG

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Er hat einer ganzen Fahrzeugklasse den Namen gegeben und ist immer noch das meistverkaufte Auto in Deutschland: der VW Golf. Nun geht die achte Auflage an den Start. Doch in Zeiten, in denen VW wie kein anderer deutscher Autohersteller auf E-Mobilität setzt und die Kunden immer öfter zum SUV als zum Kompaktmodell greifen, verblasst auch der Golf-Mythos zusehends. Das wird auch bei der Premierenfeier in der Wolfsburger Autostadt sichtbar.

Volkswagen Golf 8

Quelle: dpa

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So wirkt es doch arg bemüht, als die Moderatorin Nationaltrainer Jogi Löw auf die Bühne bittet. Es sei seine erste Auto-Premiere, sagt Jogi dann auch und irgendwie sei der Golf ja immer schon da gewesen, auch auf den Werbebanden in den Fußballstadien dieser Welt. Im Publikum sitzen Musiker Peter Maffay, Schauspielerin Andrea Sawatzki und Giorgio Giugiaro, der einst den ersten Golf entwarf. Auf die Bühne dürfen sie alle nicht, Giugiaros Frau bekommt zumindest einen Blumenstrauß von VW-Chef Herbert Diess. Es gibt keine große Show, nach nicht mal einer Stunde ist die Premiere vorbei. Vier Autos stehen auf der Bühne: Anschauen, reinsetzen, fertig.

"Das richtige Auto zur richtigen Zeit", nennt Herbert Diess den neuen Golf. Und man fragt sich: Wie passt das zur großen Elektro-Offensive? Was ist mit dem ID3, der Volkswagen als Flagschiff in eine emissionsfreie Zukunft führen soll? Es ist ein schwieriger Spagat, den VW mit seinem bisherigen Aushängeschild schaffen muss. Der Konzern steckt Milliarden in die Elektromobilität, doch ausgerechnet der Golf wirkt in dieser Strategie wie ein Auslaufmodell. Man spürt an diesem Abend in Wolfsburg, dass viele im VW-Konzern noch sehr an ihrer Ikone hängen und wahrscheinlich hat auch dieser Kulturkampf dazu beigetragen, dass der ID eben nicht einfach die E-Variante des Golf wurde.

Auf der IAA zeigte VW seinen rein elektrischen Kompaktwagen, der größentechnisch in der gleichen Liga spielt wie der Golf, im Innenraum sogar noch mehr Platz bietet. Doch bis das E-Auto annähernd so großen Absatz generiert wie das "Brot- und Buttermodell", werden wohl noch Jahre vergehen.

Volkswagen - Golf

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Vor sieben Jahren waren die Rollen bei VW noch klar verteilt. Die Präsentation des damals neuen Golf 7 fand noch mit großer Show in Berlin statt, der Konzern hatte extra die Neue Nationalgalerie gemietet. Aus dem Wagen stieg Martin Winterkorn, der ehemalige VW-Chef, der mittlerweile wegen Betrugsverdachts in der Dieselaffäre angeklagt wurde. Seitdem wurden wesentliche Teile der Führungsriege ausgetauscht, "Dieselgate" erschütterte nicht nur Volkswagen, die ganze Autowelt geriet in einen Umbruch.

VW Golf 8

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Als die Planungen für die achte Golf-Auflage begannen, war für viele im Konzern wohl noch nicht abzusehen, wie schnell der Inbegriff des deutschen Automobils zum Auslaufmodell werden könnte. Die Dimension werden klar, wenn man sich den Golf-Absatz seit dem Start der ersten Auflage 1974 ansieht: Weltweit wurden seitdem fast 36 Millionen ausgeliefert, mehr als jeder zehnte verkaufte Volkswagen ist ein Golf. In die Entwicklung der achten Generation flossen laut Planungsstand 2018 mindestens 1,8 Milliarden Euro.

Die Neuerungen sieht man vor allem im Innenraum. Der Golf 8 soll beim Infotainment und Digitaldiensten aufschließen zur Konkurrenz wie der Mercedes A-Klasse oder dem neuen 1er BMW. Deshalb gibt es auch im Golf zukünftig mehr Touchdisplays und eine intelligente Sprachsteuerung.

VW Golf 8

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Es ist der Anspruch, nicht mehr nur "nah dran" zu sein an der Premiumkonkurrenz aus Süddeutschland, sondern in manchen Bereichen sogar neue Maßstäbe zu setzen. Als erstes Fahrzeug in dieser Klasse kann der Golf mit seiner Umwelt kommunizieren. "Car-to-x" nennt sich diese Funktion, durch die sich das Auto mit anderen Fahrzeuge, später aber zum Beispiel auch mit Ampeln vernetzen kann. Auch in der Qualitätsanmutung könnte sich der Golf abheben vom Stromer ID3, der im Innenraum mit viel Hartplastik daher kommt.

VW Golf 8

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Dazu spendieren die Wolfsburger dem neuen Golf ein deutlich sportlicheres Design, vor allem die schmalen Frontscheinwerfer unterscheiden sich vom Vorgängermodell. Die Motoren sollen noch einmal sparsamer sein, gerade bei Volumenmodellen zählt jedes Gramm CO2, um die Flottengrenzwerte der EU einzuhalten.17 Prozent weniger CO2-Ausstoß verspricht VW, die schädlichen Stickoxide sollen sogar um 80 Prozent reduziert werden. Zu den Benzin- und Dieselvarianten gibt es den Golf weiterhin als Erdgasfahrzeug und als Plug-in-Hybrid. Auslieferungsstart ist bereits im Dezember. Preise für den neuen Golf nennt VW noch nicht, das Basismodell dürfte aber unter 20 000 Euro liegen.

Einen reinen Elektro-Golf hat VW nicht mehr vorgesehen. Der wird aktuell gerade zu Kampfpreisen angeboten. Nach Abzug aller Prämien bekommt man den Stromer teilweise schon für knapp über 20 000 Euro.

© SZ.de/cuk/dd
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