VW Golf Sportsvan im Fahrbericht:Sogar Fahrspaß kommt auf

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Der neue Volkswagen Golf Sportsvan

Mit den Topmotoren, dem adaptiven Fahrwerk und der einstellbaren Lenkung kehrt der Golf Sportsvan auch seine dynamische Seite nach außen.

(Foto: Volkswagen AG)

Bei der Variabilität kann der Golf-Ableger mit sinnvollen Lösungen punkten. Eine in Längsrichtung verschiebbare Rückbank gehört in dieser Klasse zum guten Ton, allerdings ist der Verstellbereich im Sportsvan mit 18 Zentimetern besonders groß. Die Rücksitzlehne ist in mehreren Neigungsstufen verstellbar und lässt sich im Verhältnis 40:20:40 geteilt umklappen. Maximal steht ein Ladevolumen von 1520 Litern zur Verfügung, mindestens können 500 Liter Gepäck zugeladen werden.

Auf der Straße verschafft sich der Sportsvan gegenüber den Kontrahenten einen Vorteil. Wer möchte, kann den Namen mit Leben füllen, denn Lenkung, Fahrwerk und Bremse agieren harmonisch zusammen und verleihen dem Wolfsburger eine Agilität, die aktuell kaum ein anderes Auto dieses Segments bietet. Aber der XL-Golf kann es auch gemütlich angehen lassen und die Besatzung komfortabel ans Ziel bringen - oder beide Enden des Fahrdynamik-Spektrums zu einem passenden Kompromiss vereinen.

Variantenreiche Antriebspalette

Auch die zum ersten Test bereitgestellten Antriebe beherrschen gemütliches Gleiten ebenso wie dynamisches Kilometerfressen. Sowohl der Top-Diesel, ein 150 PS starker Zweiliter-TDI, als auch der zweitstärkste Benziner 1.4 TSI mit 125 PS stellen eine passende, weil jederzeit kräftig zupackende Antriebsquelle für den Sportsvan dar. Der Diesel ist erstaunlich leise und recht sparsam, laut Bordcomputer verbraucht er 5,2 Liter auf den streng tempolimitierten Straßen Südfrankreichs. Der Selbstzünder stellt sein Temperament jedoch lediglich über ein schmales Drehzahlband (1500 bis knapp über 4000 Touren) zur Verfügung. Der TSI hat eine deutlich bessere Kondition und baut seine Kraft kontinuierlicher auf, präsentiert sich aber spürbar stimmgewaltiger und trinkfester. Im Alltag muss sich der Fahrer mühen, unter die Acht-Liter-Marke zu kommen.

Der 2.0-TDI-Motor des VW Golf Sportsvan

Mit dem Zweiliter-TDI ist der Golf Sportsvan gut motorisiert. Allerdings kostet diese Kombination mindestens 28 350 Euro.

(Foto: Volkswagen AG)

Welches Getriebe man bevorzugt, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks und Budgets. Der manuellen Sechsgangbox ist objektiv nichts vorzuwerfen, denn sie schaltet präzise und der Ganghebel muss nur kurze Wege zurücklegen. Im ebenfalls erhältlichen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe findet sie allerdings ihren Meister, denn deren ebenso schnelle wie verschliffene Gangwechsel, die auf Wunsch auch manuell per Lenkradwippen kommandiert werden können, begeistern. Schade, dass die "DSG" genannte Automatik mit einem Aufpreis von 1850 Euro so teuer geraten ist.

Nur das Basismodell liegt unter 20 000 Euro

Und da ist es wieder, das leidige Thema Geld. Mit dem 85-PS-Einstiegsmotor samt Fünfganggetriebe und der Einstiegsausstattung "Trendline" kostet der Sportsvan 19 625 Euro - ein Plus von 2300 Euro gegenüber einem dreitürigen Standard-Golf. Hinzu kommen weitere Benzinervarianten mit 110, 125 und 150 PS sowie die 110 und 150 PS starken Diesel, die alle mit dem DSG kombiniert werden können. Wie immer bei VW sind dem Variantenreichtum also kaum Grenzen gesetzt, zumal eine sparsame "Bluemotion"-Variante ebenso in Planung ist wie Varianten mit Allrad- und Erdgasantrieb sowie eine auf kernig getrimmte Cross-Version.

Die Ausstattungslinien "Comfortline" und "Highline" und die stärkeren Motorisierungen treiben die Preise aber ebenso in die Höhe wie die per Knopfdruck aktivierbaren Heinzelmännchen, die das Fahrwerk straffer oder weicher machen, die Lenkung direkter oder indirekter auslegen oder das Gaspedal spontaner ansprechen lassen. Auch die zahlreichen Fahrassistenten wie der Tote-Winkel-Warner, der über die sehr empfehlenswerte Funktion einer notfalls selbständig bremsenden Umgebungsüberwachung beim rückwärtigen Ausparken verfügt, die Verkehrszeichenerkennung oder der Spurhalteassistent lässt sich VW extra bezahlen.

Auch wenn der Golf Sportsvan fraglos ein exzellentes Auto ist, dürfte die Preisgestaltung verhindern, dass die tatsächliche mit der von VW skizzierten Zielgruppe übereinstimmt. So wird es wohl doch wieder auf die Generation 50 plus hinauslaufen. Aber die wird sicher kein Problem damit haben, plötzlich MPV statt Minivan zu fahren.

Die Reisekosten zur Präsentation des VW Golf Sportsvan in Saint-Tropez wurden teilweise vom Hersteller übernommen.

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