VW beendet Produktion des T2:1,12 Millionen verkaufte Bullis

Noch ist der VW Kombi aus dem Straßenbild von Brasilien nicht wegzudenken. Um die 26.000 Stück verkaufte Volkswagen zuletzt pro Jahr, 1,12 Millionen waren es vom T2 in 45 Jahren Produktionszeit. Das reicht für einen Platz in der Top Ten der Zulassungsstatistik des Landes.

"Wir stoppen die Produktion ja auch nicht wegen fehlender Nachfrage", sagt Jochen Funk, verantwortlich für Marketing und Verkauf. Es sind neue Gesetze, die dem Bulli den Garaus machen: Vom kommenden Jahr an müssen Neuwagen mit Airbags und ABS ausgerüstet sein. Und beides ist in dem betagten Design nicht unterzubringen - trotz aller Versuche. Einen Ersatz für den Bulli gibt es nicht: Die Mischung aus Nutzwert und Preis ist unschlagbar.

VW Bulli, T2, Bus, VW-Werk Sao Paolo, Brasilien, Autoproduktion

VW verabschiedet die letzten VW Bullis in Brasilien mit einer Anzeigenkampagne.

(Foto: JWO)

Die Mitarbeiter aus der Produktionshalle des Bulli werden an anderer Stelle eingesetzt. Bedarf gibt es genug: In vier brasilianischen Werken beschäftigt VW etwa 24.000 Mitarbeiter. 22 Modelle werden dort produziert, 850.000 Autos verlassen jährlich das Band.

VW mit langer Tradition in Brasilien

Die Wolfsburger starteten 1957 als erste mit der Produktion im Ausland, im Werk Anchieta in Sao Bernardo do Campo, rund 18 Kilometer südlich von Sao Paulo. Und das erste Modell aus brasilianischer Fertigung war der VW Transporter, damals der T1. 1975 stellte die Produktion teilweise auf den T2 um, der in Deutschland seit 1968 vom Band lief. Der brasilianische "Bulli" war aber nicht identisch mit seinem deutschen Bruder. In Südamerika verwendete die Produktion die Seitenwände mit den kleinen Fenstern des Vorgängers T2. In der Blütezeit produzierten die Brasilianer 66.280 Fahrzeuge pro Jahr.

Die Produktion des VW Kombi ist ähnlich archaisch wie der Wagen selbst. Die Fertigungsanlagen stammen aus Mexiko. Als dort 1995 nach knapp 254.000 gebauten Bussen die Produktion des T2 endete, wurde alles demontiert, verschifft und in Anchieta wieder aufgebaut. Roboter gibt es im ganzen Werk nicht. Selbst in der Lackiererei wird die Farbe von Hand aufgesprüht.

Am Montageband gelten noch die alten Fertigkeiten. Der Motor etwa, seit 2005 kein luftgekühlter Boxer mehr, sondern ein Reihenvierzylinder mit Wasserkühlung, wird von Hand mit ein paar Schrauben im Heck fixiert. Zum Schluss werden Fehler am Blech mit dem Hämmerchen kunstvoll ausgedengelt und Lackfehler per Pinsel übermalt.

VW Bulli, T2, Bus, VW-Werk Sao Paolo, Brasilien, Autoproduktion

Bei der Produktion der VW Bulli wurde jahrelang alles von Hand montiert. Im VW-Werk Anchieta gibt es keine Roboter.

(Foto: JWO)

VW war das Hippie-Image des Bulli übrigens eher suspekt. Die Alternativen, Surfer und Aussteiger, die den Transporter nutzten, passten nicht so recht ins Markenbild des Automobilherstellers. Doch genau jenen verdankt VW es, dass der Bulli zum Kult wurde. Und was nostalgische Gefühle weckt, lässt sich besser verkaufen. Also arrangierte man sich mit den Hippies und brachte sogar eine CD mit dem passenden Soundtrack heraus: "Summer of Love & Peace". Darauf: "Knockin' On Heaven's Door". Passender könnte der Bulli wohl kaum seine letzte Fahrt antreten.

© SZ.de/rus/reek
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