Vorstoß des Verkehrsministers Ramsauer prüft Helmpflicht für Radfahrer

Radfahrer leben gefährlich, besonders in Städten: Die Anzahl tödlicher Unfälle steigt. Liegt das an den Helmmuffeln auf den Straßen? Die will Verkehrsminister Ramsauer nun bekehren - notfalls mit Zwang.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Das Tragen von Helmen könnte für Radfahrer demnächst zur Pflicht werden. Grund sei die "dramatische Zunahme" der Zahl tödlich verunglückter Fahrradfahrer, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Dienstag in Berlin.

Sollte das Tragen eines Fahrradhelms tatsächlich verpflichtend werden - wie von Verkehrsminister Peter Ramsauer angedacht (CSU) -, würde das den entsprechenden Fachgeschäften zusätzlichen Umsatz bescheren.

(Foto: dapd)

Von zuletzt 450 toten Radfahrern im Jahr sei jeder zweite an Kopfverletzungen gestorben. "Aber nur neun Prozent der Radfahrer tragen einen Helm." Ändere sich daran nichts, müsse der Helm zur Pflicht werden, kündigte Ramsauer an. So müsse sich der Anteil behelmter Fahrradfahrer mittelfristig auf über 50 Prozent erhöhen. Gelinge dies nicht, "dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen", so Ramsauer.

Skeptische Reaktionen auf Ramsauers Vorstoß

Die Pflicht zum Helm ist seit vielen Jahren umstritten, zuletzt war die Debatte wieder angesichts einer wachsenden Zahl von Elektrofahrrädern aufgeflammt, sogenannten Pedelecs. Weil sie häufig schneller unterwegs sind als herkömmliche Räder, gelten sie als unfallträchtiger. Genaue Statistiken gibt es dazu zwar noch nicht. Fest steht aber, dass die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern seit einiger Zeit weniger stark zurückgeht als mit Autos. Gleichzeitig nimmt der Radverkehr vor allem in den Städten zu - wie zuletzt auch die Zahl tödlicher Unfälle.

Experten sind dennoch skeptisch, dass eine Helmpflicht das Problem lösen wird. "Der Helm schützt vor allem vor Kopfverletzungen, und er schadet auf jeden Fall nicht", sagt etwa Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der deutschen Versicherer. "Aber an einer Zunahme tödlicher Unfälle wird eine Helmpflicht nur wenig ändern."

Mindestens ebenso wichtig sei es, für die wachsende Zahl von Radfahrern auch die entsprechenden Verkehrswege einzurichten. "Die Radfahr-Infrastruktur ist in vielen Städten noch mäßig bis ungenügend."

Ähnlich sieht es der fahrrad-affine Verkehrsclub Deutschland (VCD). In einer Stellungnahme zum Bericht einer entsprechenden Expertenkommission empfahl der VCD kürzlich, eher an den Unfallursachen anzusetzen - neben einer besseren Infrastruktur etwa auch durch elektronische Helfer, die Lastwagen-Fahrer daran hindern, Radler zu übersehen.

Ramsauer dagegen will nun prüfen lassen, was eine Helmvorschrift bringen könnte. Selbst wenn so nur ein Teil der Radfahrer einen gefährlichen Unfall überleben würden, wäre doch schon einiges gewonnen, findet der Minister.

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