Am kommenden Wochenende werden die Nerven der Autofahrer auf den Autobahnen wieder stark strapaziert. Zähfließender Verkehr und Stillstand drohen insbesondere Urlaubsheimkehrern in Richtung Norden, warnt der ADAC. In vier Bundesländern (Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) und im südlichen Teil der Niederlande steht das Ferienende bevor.
Einige Nachzügler dürften aber auch jetzt erst die Reise in den Süden antreten, daher kann es vor allem aus Richtung Baden-Württemberg und Bayern voll werden. Brennpunkte sind die Autobahnen 8 und 6. "Verschärfend kommen die vielen Baustellen auf den Autobahnen hinzu", sagte ein ADAC-Sprecher. Auf der A 6 bei Heilbronn und bei Sinsheim gebe es Baustreckenabschnitte mit bis zu 18 Kilometern Länge. Auch im Bereich Stuttgart und auf der A 8 zwischen Hohenstadt und Ulm wird besonders viel Verkehr erwartet.

Urlaubsverkehr:Wer mit anderen kooperiert, steht kürzer im Stau
Experte Michael Schreckenberg erklärt, warum es nichts bringt, Staus zu umfahren, und weshalb das Reißverschlusssystem ineffektiv ist.
Der Auto Club Europa (ACE) rät, lieber unter der Woche zu starten. Außerdem sollten Reisende auf den Verkehrsfunk achten und unterwegs Echtzeit-Kartendienste nutzen. Die Hauptreisezeiten sind: Freitag von 13 bis 20 Uhr, Samstag von 10 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 20 Uhr.
Das richtige Verhalten bei Harndrang im Stau
Einen besonders lebensnahen Hinweis hält der TÜV Thüringen für Staugeplagte bereit: Auch eine volle Blase berechtigt nicht zum Sprung über und Erleichtern hinter der nahen Leitplanke. "Das Betreten von Autobahnen ist generell verboten. Die Straßenverkehrsordnung macht hier keinerlei Ausnahmen", sagt Verkehrsexperte Achmed Leser. Zehn Euro werden laut Bußgeldkatalog dafür fällig; wenn es mal etwas länger dauert und sich die Fahzeugkolonne zwischenzeitlich wieder in Bewegung setzen könnte, sogar 35 Euro wegen Haltens auf der Autobahn. Wer länger als drei Minuten braucht, riskiert ein Bußgeld von 70 Euro und einen Punkt in Flensburg, denn dies gilt als Parken auf der Autobahn und ist ebenfalls verboten. Autofahrern mit schwacher Blase rät der TÜV Thüringen, über die Anschaffung sogenannter Notfall- oder Taschen-WCs nachzudenken.
Wo das Staurisiko besonders hoch ist
Vor allem in den Ballungsräumen Rhein-Main, Rhein-Neckar, Berlin, Hamburg, Stuttgart und München ist mit vielen Staus zu rechnen. Außerdem kann es auf folgenden Strecken zu Verzögerungen oder Behinderungen kommen:
- A 1 Köln - Dortmund - Bremen - Hamburg - Lübeck - Fehmarn; beide Richtungen
- A 2 Dortmund - Hannover - Braunschweig - Berlin; beide Richtungen
- A 3 Arnheim - Köln - Frankfurt - Würzburg - Nürnberg - Passau; beide Richtungen
- A 4 Kircheimer Dreieck - Erfurt - Dresden/Aachen - Köln - Olpe; beide Richtungen
- A 5 Basel - Karlsruhe - Frankfurt - Kassel; beide Richtungen
- A 6 Kaiserslautern - Mannheim - Heilbronn - Nürnberg; beide Richtungen
- A 7 Flensburg - Hamburg - Hannover - Kassel - Würzburg - Ulm - Füssen/Reutte; beide Richtungen
- A 8 Salzburg - München - Stuttgart - Karlsruhe; beide Richtungen
- A 9 München - Nürnberg - Berlin; beide Richtungen
- A 10 Berliner Ring
- A 11 Dreieck Uckermark - Berlin
- A 19 Rostock - Dreieck Wittstock/Dosse
- A 20 Lübeck - Rostock; beide Richtungen
- A 23 Heide - Hamburg
- A 24 Dreieck Wittstock/Dosse - Berliner Ring
- A 40 Venlo - Duisburg - Essen; beide Richtungen
- A 45 Dortmund - Gießen; beide Richtungen
- A 61 Mönchengladbach - Koblenz - Ludwigshafen; beide Richtungen
- A 72 Hof - Chemnitz
- A 93 Inntaldreieck - Kufstein
- A 95/B2 München - Garmisch-Partenkirchen
- A 96 München - Lindau
- A 99 Umfahrung München
Um den Reiseverkehr zu entlasten, gilt an allen Samstagen im August auf den wichtigsten deutschen Autobahnen tagsüber ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen.
In Österreich sind besonders die Transitrouten stark staugefährdet. Vor allem auf den Autobahnen A 10 (Tauern), A 11 (Karawanken) A 12 (Inntal), A 13 (Brenner) und A 14 (Rheintal) kann es zu Staus kommen. Auch auf dem Fernpass dürfte es voll werden. Freitagnachmittags ab 13 Uhr und Samstag zwischen 9 und 18 Uhr ist mit dem höchsten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Rückreisende Richtung Norden müssen sich vor den Grenzübergängen zu Deutschland auf Wartezeiten einstellen - vor allem am Samstag- und Sonntagmittag.
Auch in der Schweiz neigen sich die Sommerferien dem Ende zu. Hinzu kommen die Rückreisenden in Richtung Deutschland und Holland. Vor dem Gotthardtunnel ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Als Alternative für die Gotthard-Route empfiehlt sich die Strecke St. Margarethen - Bellinzona. Dort ist allerdings auch mit Staus zu rechnen.
Am Wochenende nach Ferragosto, dem Feiertag am 15. August, sind auch die Autobahnen in Italien traditionell stark belastet. Viele kehren dann vom Urlaub am Meer zurück, andere starten in die Nachsaison. Auf diesen italienischen Fernstraßen kommt es besonders häufig zu Staus: A 22 Brenner - Modena; A 23 Villach - Udine; A 4 Brescia - Verona - Venedig - Triest; A 7 Mailand - Genua; A 9 Chiasso - Mailand; Großraum Mailand.
