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Videoüberwachung im Taxi:Big Brother fährt in Oxford mit

Per Verordnung von der Stadtverwaltung beschlossen: Der Innenraum der Taxis in der britischen Universitätstadt Oxford wird demnächst mit Kameras überwacht. Zum Schutz der Fahrer. Datenschützer sind entsetzt.

Günther Fischer

Die Videoüberwachung öffentlicher Plätze und Gebäude in Großbritannien ist scheinbar noch nicht lückenlos genug. Mehr als vier Millionen CCTV-Kameras (Closed Circuit Television) erfassen zwar schon beinahe jeden Winkel und jede Ecke des Landes, die Stadtverwaltung von Oxford will aber noch einen Schritt weiter gehen.

Eigentlich ein beschauliches Städtchen: Oxford. Dennoch will die Stadtverwaltung den Innenraum von Taxis jetzt mit CCTV-Kameras überwachen lassen.

(Foto: AP)

Wie die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet, sollen alle 107 Black Cabs und die 545 Privat-Taxis (private hire) der Universitätstadt mit einem Videoüberwachungssystem bestückt werden. Die Umrüstung pro Auto kostet 400 Pfund (etwa 467 Euro), insgesamt wird ein Betrag in Höhe 260.000 Pfund (circa 303.000 Euro) fällig. Der Steuerzahler muss dafür aufkommen.

Mit dem Starten des Motors soll die Aufzeichnung beginnen und erst 30 Minuten nach dem Stopp wieder enden. Die Aufzeichnungen sollen 28 Tage lang aufbewahrt werden und nur für polizeiliche Untersuchungen freigegeben werden. Ein Aufkleber auf dem Auto weist die Fahrgäste zuvor auf die Aufnahme hin.

Datenschützer sind entsetzt. Nick Pickles von der Bürgerrechtsbewegung Big Brother Watch: "Das ist ein erschütternder Eingriff in die Privatsphäre, der ohne Anlass und ohne Grund passiert und eine totale Missachtung der Bürgerrechte darstellt." Leicht ironisch fügte er hinzu: "Sollte sich Premierminister David Cameron mal wieder in seinen Wahlkreis verirren und dabei durch Oxford fahren, werden wir sein Team wissen lassen, dass es besser wäre, die dortigen Taxis nicht zu benutzen."

Die Stadtverwaltung hält dagegen und argumentiert, dass es bisher immer schwierig gewesen wäre, im Fall von Angriffen auf den Taxifahrer, sexuellen Übergriffen oder anderen Delikten den Beweis zu führen. Eine Sprecherin: "Da stand bisher immer Wort gegen Wort." Mit dem Videomaterial wären Vergehen nun leichter aufzuklären. Und sie fügte hinzu: "Die Privatsphäre in einem Taxi war ohnehin nie so hoch wie in der eigenen Wohnung oder im eigenen Auto."

Ungeachtet aller Proteste hat die Stadtverwaltung, wie die BBC meldet, klare Fristen gesetzt: Neue Taxis müssen bis zum 6. April 2012 umgerüstet sein, der Rest der betroffenen Autos hat Zeit bis 2015.

© sueddeutsche.de/gf/gr
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