Versteigerung von Behördenfahrzeugen Schnäppchen aus dem Rotlichtviertel

Etwa 1800 Fahrzeuge versteigert das Land Nordrhein-Westfalen jedes Jahr. Darunter sind viele Autos der Polizei, aber auch von anderen Behörden.

(Foto: Steve Przybilla)

In Düsseldorf versteigern Behörden Autos aus dem eigenen Bestand - und Fahrzeuge von Kriminellen.

Von Steve Przybilla

Der Krankenwagen hat seine besten Tage hinter sich. Die Motorhaube ist zerquetscht, die ausgelösten Airbags zeugen von einem harten Aufprall. Im Inneren riecht es nach Fett und Moder, auf den Sitzen liegen Gummibärchen und leere Fastfood-Kartons. Ein Fall für die Schrottpresse? Nein. Neugierig schleichen die Interessenten um das ramponierte Fahrzeug. Schauen durchs Fenster. Prüfen die Reifen. Wackeln an den quietschenden Türen.

Das Ambulanzfahrzeug, ein VW LT 35, steht auf dem Hof der Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Es ist eines von 149 Autos, die an diesem Morgen versteigert werden. Dutzende Ford Focus sind darunter, viele Kombis und noch mehr Transporter. Auch Feuerwehrautos, Gefangenenbusse und ein Motorrad (Baujahr 1952) befinden sich in der ungewöhnlichen Kollektion, die das Land Nordrhein-Westfalen ausstellt. Es handelt sich entweder um beschlagnahmte Autos oder um amtliche Dienstfahrzeuge, die von den Behörden aussortiert wurden.

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Da die Fahrzeuge von allen Landesbehörden stammen, kommt einiges zusammen. Immerhin befinden sich aktuell etwa 20 000 Fahrzeuge im Besitz des Landes NRW, davon über die Hälfte bei der Polizei. Weil der Nachschub an altem Blech also nie versiegt, lädt die Oberfinanzdirektion jeden ersten Mittwoch im Monat zur Auktion. Das Angebot kommt gut an: Schon am frühen Morgen versammeln sich Interessenten vor der Lagerhalle; manche rücken mit Klappstühlen, Versteigerungskatalog und Abschlepp-Anhängern an.

Das Publikum ist so verschieden wie die Autos, die in der Halle stehen: Im Versteigerungsraum treffen Kopftücher auf Springerstiefel, Omis mit Enkeln auf professionelle Händler. Arabische Stimmen mischen sich mit rheinischem Singsang. Nur der Auktionator ist kaum zu verstehen. Er sitzt auf einem Podest und verliest die Versteigerungsbedingungen - staatstragend korrekt, aber doch etwas leise. Im allgemeinen Gebrabbel dringt kaum etwas durch, allenfalls einzelne Wörter: "Versteigerung", "Mindestgebot", "abgeschleppt".

Dann wird es ernst. Und still. "800 Euro, 1000 Euro, 9000 Euro...". Was genau versteigert wird, wissen nur diejenigen, die sich die Nummern der Objekte gemerkt haben. Das Prozedere hat etwas Nüchternes: Freudenschreie sind nicht zu hören, aber auch kein Schimpfen über verpasste Chancen. Stattdessen holen sich die neuen Besitzer eine Wurst am landeseigenen Imbiss. Danach wird die ersteigerte Ware am Panzerglas-Tresen bezahlt.

"Am Ende des Tages ist die Halle immer leer"

Der Mann, der in der Lagerhalle die Fäden zusammenhält, heißt Herbert Bolten. Der Kfz-Sachverständige wacht seit 14 Jahren über die Fahrzeuge, die in Düsseldorf Monat für Monat unter den Hammer kommen. "Ladenhüter gibt es bei uns nicht", versichert Bolten. "Am Ende des Tages ist die Halle immer leer."

Etwa 1800 Fahrzeuge versteigert das Land pro Jahr. Im Durchschnitt haben sie eine Laufleistung von gut 100 000 Kilometern, wobei es im Einzelfall starke Abweichungen nach oben oder unten geben kann. Welche Einnahmen dadurch in die Staatskasse fließen, darüber verweigert die Oberfinanzdirektion die Auskunft - aus Sicherheitsgründen. "Wir wollen keine Begehrlichkeiten wecken", heißt es aus der Behörde. Immerhin würden die Fahrzeuge vor Ort stets in bar bezahlt.