Vernetztes Fahren:Vom Auto in die Wolke und zurück

Vernetzte Mobilität

Der Dialog der Straße - bald könnte er durch digitalen Datenaustausch via Cloud erfolgen.

(Foto: Mercedes-Benz)

Die Cloud wird immer wichtiger: Auch Autos von morgen kommunizieren über die digitale Wolke. Sie schwebt virtuell über den Fahrzeugen, sammelt ihre Daten und verteilt sie weiter. So könnte der Datenaustausch der Zukunft funktionieren.

Von Wolfgang Gomoll

Das Auto nähert sich der Ampel, sie sollte eigentlich längst Grün zeigen. Soll der Fahrer jetzt langsamer fahren, weil die Ampel gleich auf Rot springen könnte? Oder lieber Gas geben, um die Grünphase noch zu erwischen? Manchmal enden solche Situationen mit einer plötzlichen Vollbremsung vor der Ampel oder einem unerwarteten Foto von der Blitzanlage.

Da wäre es doch praktisch, wenn das Auto einfach die Ampel fragen könnte, wann sie auf Rot umschaltet. Auf einer Versuchsstrecke von BMW bei München funktioniert das bereits. Die Kommunikation des Autos mit der Ampel geschieht über den drahtlosen Netzwerkstandard Wlan. Das Auto überträgt an die Ampel Daten wie seine Position, den Abstand zur Kreuzung, die aktuelle Geschwindigkeit, Beschleunigung oder Verzögerung.

Das Auto sagt, wann es knapp wird

Im Gegenzug überträgt die Ampel die Information, wann die nächste Grünphase ansteht. Der Autofahrer sieht auf einem Bildschirm am Armaturenbrett oder auf einem Head-Up-Display die empfohlene Geschwindigkeit, bei der er noch bei Grün die Ampel passieren kann. Springt die Ampel bald auf Rot, rät der Computer dem Fahrer, das Tempo zu drosseln. Wird es knapp, ertönt 30 bis 50 Meter vor der Haltelinie ein Warnsignal.

Mercedes-Benz geht einen Schritt weiter und integriert das Smartphone in den Gefahrenmeldungs-Dienst. Dazu ist das sogenannte Drive Kit Plus nötig, das entweder Teil der Ausstattung ist oder für 690 Euro bei den meisten Mercedes-Modellen nachgerüstet werden kann. Das Prinzip der neuen Car2X-Technologie ist im Zeitalter von Clouds und Dropboxen fast schon naheliegend. Liegt eine Gefahrensituation vor, wird diese über das Mobilfunknetz in einen Server gespeichert. Andere Verkehrsteilnehmer können dann auf diese Meldungen zugreifen. Also kommunizieren die beiden Fahrzeuge über einen Umweg und nicht direkt, wie das bisher bei der Car2X-Kommunikation angedacht war.

Rechenmodelle regulieren Ungenauigkeiten

Doch auch eine Car2X-Kommunikation, die über einen externen Server stattfindet, kann nicht alle Gefahrensituationen wahrnehmen, wie es bei einem direkten Austausch der Daten möglich wäre. Mercedes kann etwa 75 Prozent der möglichen Vorfälle abdecken.

Die Kommunikation mit einer Ampel oder ein direkter Kreuzungsassistent funktionieren im Alltag noch nicht. Doch das Mercedes-System greift immer wieder auf relevante Daten, zum Beispiel den Ort des Fahrzeugs und dessen Geschwindigkeit via GPS zurück und berechnet die Wegstrecke. Etwaige Ungenauigkeiten werden mit Rechenmodellen ausgeglichen, die auch die Straße, auf der sich die beiden Fahrzeuge aufeinander zubewegen, einbeziehen. Das System kann dazu auf die Sensorik des Autos zugreifen. Zumindest bei ersten Tests funktionierte diese Ansage problemlos.

Dreh-Klick-Bewegungen zur Unfallwarnung

Gefahrenmeldungen laufen im Prinzip immer gleich ab: Entweder registriert das Auto selbstständig ein Problem und leitet es weiter - etwa wenn es in einen Unfall verwickelt ist - oder der Fahrer setzt die Nachricht händisch ab. Steht also ein Auto mit einer Panne am Straßenrand, muss der Fahrer nur den Drehstellknopf in der Mittelkonsole nach unten ziehen und schon poppt der Dialog zum Absetzen der Meldung auf. Mit einem weiteren Dreh-Klick kann man das Problem näher identifizieren und die Warnung in der Cloud platzieren.

Vielleicht spricht das Auto bald auch mit der nächsten Ampel - die Cloud könnte es möglich machen.

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