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Verkehrsregeln im Ausland:Die Schweiz macht ernst

Schweiz: Raser im Straßenverkehr

Seit 1. Januar 2013 gelten in der Schweiz strengere Verkehrsgesetze. Deren Wirkung ist jedoch umstritten.

(Foto: Keystone Walter Bieri/dpa)

Achtung Urlauber: Unser Nachbarland kennt bei Tempoverstößen keine Gnade. Wer schneller fährt als erlaubt, muss sogar mit Haftstrafen rechnen.

Da sage noch jemand, die Schweizer hätten keinen Sinn für Humor. Zum Beispiel, wenn ein Autofahrer abrupt anhalten muss, um eine Horde Elefanten passieren zu lassen. Oder ein Radler eine Vollbremsung hinlegt, weil Ufos die Straße überqueren. Die lustigen Videos sind Teil der Kampagne "Vorsicht beim Vortritt", die Polizei und Verkehrsverbände dieses Jahr veröffentlicht haben.

Verkehrserziehung mit einem Augenzwinkern ist nichts Neues in unserem Nachbarland. Vor zwei Jahren schon sorgte der Opferverband Road Cross Schweiz für Aufsehen, als er ein Online-Spiel namens Date Nina veröffentlichte. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines Autofahrers, der eine attraktive Frau bei einem Rendezvous erobern muss. Je nachdem, welche Entscheidungen man trifft, ob man zum Beispiel mit Alkohol fährt, hat das Date einen glücklichen Ausgang. Oder einen tödlichen.

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So viel zum Humor. Wenn der nichts mehr nützt, und Verkehrsteilnehmer die Regeln trotzdem brechen, ist Schluss mit lustig. Dann werden drakonische Strafen fällig, die nicht nur ins Geld gehen, sondern Raser im Extremfall sogar hinter Gitter bringen. Verantwortlich dafür ist derselbe Verband, der "Date Nina" herausgebracht hat. Mit der sogenannten Raserkampagne trommelte Road Cross Schweiz vor zwei Jahren für eine Verschärfung der ohnehin strengen Gesetze. Mit Erfolg: Noch bevor es zum Volksentscheid kam, übernahm das Parlament die Vorschläge.

Weil deutsche Gesetze lascher sind, rasen Schweizer gerne auf den hiesigen Autobahnen

Seit dem 1. Januar 2013 gilt in der Schweiz nun die "Via sicura", ein Gesetzespaket, das den Begriff des Rasers genau definiert. Wer etwa in einer 30er-Zone mindestens 50 km/h zu schnell fährt, oder auf der Autobahn mindestens 80 km/h zu schnell unterwegs ist, macht sich straffällig. Rasern kann so ziemlich alles entzogen werden: ihr Führerschein, ihr Auto, ihre Freiheit. Zum Vergleich: Wer in Deutschland innerorts zwischen 51 und 60 km/h zu schnell fährt, muss 280 Euro zahlen, flankiert von zwei Punkten in Flensburg und zwei Monaten Fahrverbot. Und selbst kleinste Tempoüberschreitungen werden geahndet. Bereits wer ein km/h zu schnell fährt, wird gnadenlos zur Kasse gebeten.

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Da steht schnell die Frage im Raum, ob die "Via sicura" notorische Raser wirklich abschreckt. Könnte sie womöglich sogar ein Vorbild für Deutschland sein? Fest steht, dass tödliche Verkehrsunfälle in der Schweiz seit Jahren zurückgehen - wie allerdings in ganz Europa. Der Jahresbericht 2013 des International Transport Forums der OECD schlüsselt die Daten weiter auf. Demnach gab es in der Schweiz im Jahre 2012 rund 4,1 Unfalltote pro 100 000 Einwohner. In Deutschland waren es 4,9, während Italien, ein Land mit deutlich höheren Bußgeldern, auf den Wert 6,4 kommt.

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