4. Man muss nicht blinken

In Kreiseln ist es vielleicht am auffälligsten: Wir Deutschen sind blinkfaul. Bei der Ausfahrt (und nur da) betätigt kaum noch jemand den Fahrtrichtungsanzeiger. Aber auch in der Stadt und auf Autobahnen greift diese Unsitte um sich. Die Statistik gibt der subjektiven Beobachtung recht: Laut einer Studie des ACE blinken ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) selten oder grundsätzlich nicht. Nur knapp die Hälfte blinkt immer. Selbst innerhalb Europas liegen wir damit an der Spitze, vor Frankreich (27 Prozent) und Belgien (22 Prozent) sowie den Niederlanden (22 Prozent).

Verkehrspsychologe Edmund Wirzba sieht dies als Teil einer allgemeinen Entwicklung, eines "Verfalls der Höflichkeit", wie er es der Welt erklärte. Immer weniger Türen würden aufgehalten, in der U-Bahn böte man älteren Menschen keinen Platz mehr an. "Gesellschaftliche Werte wie Pünktlichkeit, Rücksichtnahme und Wertschätzung werden weiter nachlassen", so Wirzba. "Die Leute sind grober zueinander und oft sehr gereizt." Übertragen auf den Straßenverkehr heißt das: Der Blinker bleibt aus, der andere sieht doch, was ich mache.

Ungefährlich ist das nicht. Genaue Statistiken gibt es nicht, doch Experten gehen davon aus, dass in 25 bis 30 Prozent aller Unfälle das fehlende Betätigen des Fahrtrichtungsanzeigers seine Mitschuld trägt. In Kombination mit verkehrswidrigem Verhalten kann das zu einer 100-prozentigen Haftung bei einem Unfall führen. Dabei ist die Regelung eigentlich klar: Geblinkt werden muss beim Spurwechsel, beim Vorbeifahren an einem Hindernis und bei jeder Richtungsänderung.

Bild: Stephan Rumpf 6. August 2015, 12:312015-08-06 12:31:46 © Süddeutsche.de/harl/dd